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Ulrike Ottinger
Die Berlin-Trilogie: Freak Orlando

Filmscreening 

aktuelle kunst in graz – Galerientage 2026

Freak Orlando, 1981

Foto: Ulrike Ottinger © Ulrike Ottinger, www​.ulri​keot​tin​ger​.com

Ulrike Ottinger gilt als eine der wesentlichen avantgardistischen zeitgenössischen Filmemacherinnen ihrer Generation, die insbesondere über ihr filmisches Schaffen Bekanntheit erlangt hat. Die 1942 in Konstanz geborene Ottinger kann heute auf mehr als sechs Jahrzehnte künstlerischen Schaffens zurückblicken, das sie nicht nur an verschiedene Orte brachte, sondern sie von der Bildenden Kunst zum Filmemachen finden ließ. Dabei entwickelte sie einen non-linearen und teils surrealistisch-bizarren Filmstil.

Ab Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre entstand Ottingers sogenannte Berlin-Trilogie, die anlässlich der heurigen Galerientage in Graz, die auch unter aktuelle kunst in graz firmieren, an drei aufeinanderfolgenden Abenden gezeigt wird. Die Trilogie umfasst die Filme Bildnis einer Trinkerin (1979), Freak Orlando (1981) sowie Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse (1984) mit den Darsteller:innen Tabea Blumenstein, Delphine Seyrig, Magdalena Montezuma, Veruschka von Lehndorff, Eddie Constantine, Nina Hagen, Orpha Termin und Kurt Raab sowie dem Komponisten Peer Raben.

25.4.202619 Uhr: Freak Orlando, 1981 (126 Min.)

Mit Freak Orlando erzählt Ottinger in fünf Episoden am Beispiel der Freaks und Ausgegrenzten eine Irrtum, Inkompetenz, Machtgier, Wahnsinn, Angst, Alltag und Grausamkeit inkorporierende Weltchronik. Zentrale Figur ist Orlando, die vielfach verwandelt in unterschiedlichen Identitäten und Zeiten erscheint: als Attraktion in einem Kaufhaus, als wundersame Gestalt des Mittelalters, als durch religiösen Fanatismus und Inquisition Verfolgte, als Artistin in einer Side Show und schließlich als Entertainerin auf Jahrmärkten und Festen. Auf diesem in fünf Bildern gezeichneten Weg durchläuft Orlando Mittelalter, Aufklärung und Gegenwart wie ein grell beleuchtetes Theater und erlebt Ausbeutung, Verfolgung, Liebe, Verrat, Gewalt und Tod, begegnet religiösem Eifer, kolonialer Deportation und gesellschaftlicher Sensationslust. Ottinger zeichnet hier mit Magdalena Montezuma in der Hauptrolle eine ironische Erkenntnis über eine Welt, in der das Abweichende bestaunt, verfolgt und geopfert wird und Geschichte sich als eine endlose Abfolge von Grausamkeit und Spektakel entpuppt.

26.4.202619 Uhr: Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse1984 (150 Min.)

Weitere Veranstaltungen im Rahmen von Galerientage 2026

Künstler:innen

Teilnehmende Künstler:innen

Ulrike Ottinger

*1942 in Konstanz am Bodensee, lebt in Berlin

ist eine international renommierte Filmregisseurin, Autorin und bildende Künstlerin., Studium der Radiertechnik bei Johnny Friedlaender in Paris.

Filme (Auswahl): Die Betörung der blauen Matrosen (1975), Madame X – Eine absolute Herrscherin (1978), Bildnis einer Trinkerin (1979), Freak Orlando (1981), Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse (1984), Johanna d’Arc of Mongolia (1988), Die koreanische Hochzeitstruhe (2008), Paris Calligrammes (2019), Die Blutgräfin (2026).

Ihr facettenreiches Gesamtwerk wurde weltweit ausgestellt, u.a. auf der Venedig Biennale, der documenta, der Berlin Biennale, in der Galerie David Zwirner und dem MoMA in New York, im Centre Pompidou und der Cinémathèque française in Paris, in der Deutschen Kinemathek, dem KW Institute for Contemporary Art sowie im Haus der Kulturen der Welt in Berlin, dem Witte de With – Center for Contemporary Art in Rotterdam und dem Museo Reina Sofía in Madrid.

Für ihre künstlerische Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Hannah-Höch-Preis des Landes Berlin (2011), den Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg (2012) und den Award for Avant-Garde-Achievements in Film im Rahmen von EnergaCAMERIMAGE (2022). Seit 1997 ist Ottinger Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, und seit 2020 Mitglied der Bayerischen Akademie der Künste, München. Ferner gehört sie seit 2019 der Academy of Motion Picture Arts and Sciences an, die jährlich die Academy Awards verleiht.

Freak Orlando, 1981

Foto: Ulrike Ottinger © Ulrike Ottinger, www​.ulri​keot​tin​ger​.com