Steirische Frauen im
Nationalsozialismus und danach
Karin M. Schmidlechner
Vortrag

Dr. Karin M. Schmidlechner
Eva Ursprungs intensive Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Steiermark sowie den Biographien von Frauen, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus tätig waren, wie etwa mittels ihrer Arbeit 355 Tage im Erdbunker ist auch vor dem Hintergrund der Recherchen und wissenschaftlichen Tätigkeiten von Karin Maria Schmidlechner zu sehen. In Kooperation mit Heimo Halbrainer hat Schmidlechner den Band Aus dem Blickfeld: Eine biographische Annäherung an ambivalente Lebensszenarien steirischer Frauen in der Kriegs- und Nachkriegszeit herausgebracht und damit eine Grundlage für Ursprungs Untersuchung der Frauen Judenburgs gegeben, die sie zu einer Spurensuche über die Widerstandskämpferinnen Johanna Grimming und ihre Tochter Anna Winkler führte, deren Geschichte verdrängt und vergessen wurde.
Schmidlechner und Halbrainer gelang es mit ihrem Band nicht nur, die Bandbreite der wissenschaftlichen Auseinandersetzung über den Alltag steirischer Frauen in der Kriegs- und Nachkriegszeit zu erweitern, sondern nehmen über ihre Portraits auch Frauen in den Fokus, deren Lebensentwürfe in der Nachkriegszeit nicht dem vorherrschenden Frauenbild etwa der sogenannten „Trümmerfrauen“ entsprachen, so auch Lebensgeschichten von Jüdinnen, Romni, Denunziantinnen und Frauen, die sich aktiv und passiv am Widerstand beteiligten. Insofern können sie auch zeigen, dass Widerstand nicht nur eine Angelegenheit von Männern war.
Schmidlechner wird in diesem Vortrag die Pluralität von steirischen Frauenrealitäten im Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit erörtern und so das teils gängige Narrativ der biederen, angepassten Frauen respektive der tüchtigen „Trümmerfrauen“ nicht nur in Frage stellen, sondern auch dekonstruieren. Tatsächlich waren die Lebensszenarien von Frauen in der Steiermark in jener Zeit in der Regel nämlich durch eine Ambivalenz geprägt, der hier über situiertes Wissen nachgegangen wird.
Künstler:innen
Teilnehmende Künstler:innen
Dr. Karin M. Schmidlechner
Drin, Profin i. R. für Zeitgeschichte am Institut für Geschichte der Universität Graz. Forschungsschwerpunkte: Frauen- und Geschlechtergeschichte mit besonderer Berücksichtigung der Steiermark. Zahlreiche Veröffentlichungen und Projekte, u.a. „Zur Geschichte der steirischen Frauen von 1848 bis zur Gegenwart.“ Graz 2017. Herausgeberin der „Grazer Gender Studies“, Mitherausgeberin des Historischen Jahrbuchs der Stadt Graz.

Dr. Karin M. Schmidlechner