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Victoria Noorthoorn
Direktorin, Museo Moderno de Buenos Aires 

Gespräch 

Victoria Noorthoorn

Foto: Josefina Tommasi, Courtesy Museo de Arte Moderno de Buenos Aires

Victoria Noorthoorn (*1971, Buenos Aires) ist seit 2013 Direktorin des Museo de Arte Moderno de Buenos Aires. Sie ist eine international renommierte Kuratorin, die bedeutende Biennalen kuratierte (Pontevedra 2006, Mercosul 2009, Lyon 2011) und zu einer der prägenden Stimmen in der lateinamerikanischen Museumspraxis geworden ist.

Das Museo Moderno besitzt die größte öffentliche Sammlung moderner und zeitgenössischer argentinischer Kunst und Designs mit über 8.000 Werken, sowie eine spezialisierte Bibliothek und Archive, die alle genutzt werden, um das dynamische Ausstellungsprogramm zu unterstützen. Unter Noorthoorns Leitung wurde das Museo Moderno fundamental ausgeweitet und transformiert: Mit einem gesteigerten Budget, einem Team von mittlerweile 160 Mitarbeiter:innen und einer verdoppelten Ausstellungsflächen hat das Museum über 130 Ausstellungen realisiert und siebzig zweisprachige Publikationen herausgegeben. Darüber hinaus hat das Team anspruchsvolle Bildungs- und Vermittlungsprogramme entwickelt, die jährlich von 10.000 Lehrer:innen besucht werden.

Noorthoorn versteht das Museum als einen Raum, der vielfältige Stimmen sichtbar macht und offene Dialoge ermöglicht. Eine besondere Leistung ist die Präsentation der reichen Sammlung überwiegend argentinischer moderner Geschichte in einem zeitgenössischen Kontext, begleitet von zahlreichen individuell kuratierten und thematisch präsentierten Ausstellungen, die jedes Jahresprogramm ausmachen. Auf diese Weise hat sie radikale zeitgenössische Künstler:innen wie Marta Minujín, Liliana Maresca und Tomás Saraceno aus Argentinien, Zanele Muholi und Tracey Rose aus Südafrika sowie experimentelle Positionen wie Nicanor Aráoz, Diego Bianchi, Eduardo Basualdo und Celina Eceiza präsentiert.

In diesem Gespräch wird Noorthoorn auf die Erfahrungen rund um Celina Eceizas Ausstellung Ofrenda eingehen, die 2024 nach einer längeren Forschungs- und Produktionsphase erstmals im Museo Moderno gezeigt wurde und nun in modifizierter Form in Kooperation mit der HALLE FÜR KUNST Steiermark präsentiert wird. Sie verfügt außerdem über eine lange Ausstellungshistorie mit Diego Bianchi. So zeigte sie Bianchis Arbeiten auf der 11. Biennale de Lyon (2011) und während ihrer Amtszeit in mehreren Ausstellungen im Museo Moderno. 2017 zeigte das Museum Bianchis Einzelausstellung El presente está encantador (2017), kuratiert von Javier Villa, in der Bianchis kritische und oft provokativen Werke nicht isoliert als Solo-Show gezeigt, sondern die Museumsammlung regelrecht einbezogen, sodass bedeutende historische Werke aktive Teilnehmer seiner Ausstellung wurden. 2019 gewann Bianchi den Premio Azcuy (2019), bei dem Noorthoorn in der Jury saß.

Für Diego Bianchi und Celina Eceiza öffnete Noorthoorn institutionelle und kuratorische Rahmenbedingungen, die ihre Praxis vertieften. Celina Eceiza fand im Museo Moderno eine Plattform für ihre großformatigen Installationen, deren weiches Museum“ unter Noorthoorns Leitung nicht als Randphänomen, sondern als zentraler Bestandteil einer pluralistischen Museumspolitik behandelt wurde. Beide Projekte, sowohl Bianchis, als auch Eceizas, stehen in indirektem Zusammenhang mit der Rekonstruktion von Marta Minujín und Rubén Santantoníns bahnbrechendem Environment La Menesunda (1965), das das Museo Moderno 2015 erstmals in Buenos Aires rekonstruierte und präsentierte. Die Wirkung auf Publikum und Kunstszene ist bis heute spürbar. Nach einer Präsentation im New Museum, New York, befindet sich La Menesunda nun bis 2028 auf Europatour in Kooperation mit der Tate Liverpool und wird dort sowie im Copenhagen Contemporary, in der Reina Sofía und im Kanal Pompidou gezeigt. Beide Künstler:innen profitierten von der Strategie des Museums, nicht nur große Kommissionen zu erforschen und zu produzieren, sondern Kunst auch im Austausch mit Archiv, Sammlung und intensiver Vermittlung zu verankern. Noorthoorn scheut sich nicht vor aufwendigen und manchmal kontroversen Realisierungen. So verwandelt sie das Museum in einen lebendigen, offenen Resonanzraum für zeitgenössische und vielfältige Stimmen.

Als Expertin sowohl für die Praxis von Bianchi und Eceiza als auch für die argentinische Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst wird Victoria Noorthoorn gemeinsam mit Sandro Droschl die beiden Ausstellungen in der HALLE FÜR KUNST Steiermark vorstellen und diskutieren.

Das Gespräch wird in englischer Sprache geführt.

Künstler:innen

Teilnehmende Künstler:innen

Victoria Noorthoorn

*1971 Buenos Aires, lebt in Buenos Aires

ist seit 2013 Direktorin des Museo de Arte Moderno de Buenos Aires. Sie hat einen Abschluss in Kunstgeschichte (Licenciatura) von der Universität Buenos Aires (UBA) sowie einen Master in Curatorial Studies, den sie am Center for Curatorial Studies, Bard College, New York absolvierte.

Sie war unter anderem Projektkoordinatorin für das Internationale Programm am MoMA in New York, Assistenzkuratorin für zeitgenössische Ausstellungen am The Drawing Center in New York und Kuratorin am Malba in Buenos Aires. Zwischen 2004 und 2013 kuratierte sie unter anderem die 29. Biennale de Arte de Pontevedra in Pontevedra, Spanien (2006), den 41. Salón Nacional de Artistas in Cali, Kolumbien (2008), die 7. Bienal do Mercosul in Porto Alegre, Brasilien (2009), die 11ème Biennale de Lyon: A Terrible Beauty Is Born in Lyon, Frankreich (2011) sowie The Circle Walked Casually in der Deutsche Bank KunstHalle in Berlin, Deutschland (2013). 2012 wurde sie vom französischen Kulturministerium mit dem Titel Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres geehrt. 2014 wurde sie ausgewählt, am Global Museum Leaders Colloquium des Metropolitan Museum of Art, New York, teilzunehmen.

Während ihrer Leitung des Moderno hat das Museum einen tiefgreifenden Entwicklungsprozess durchlaufen: Die Ausstellungsflächen wurden verdoppelt, mehr als 130 Ausstellungen realisiert, über 70 zweisprachige Publikationen veröffentlicht, die verschiedenen Bildungsprogramme erreichten über 10.000 Lehrkräfte pro Jahr, darüber hinaus wurde das Museum für seine Leistungen im Bereich psychische Gesundheit und Barrierefreiheit geehrt. Im Moderno kuratierte Noorthoorn Einzelausstellungen von León Ferrari, Marta Minujín, Marina De Caro, Ana Gallardo, Tracey Rose, Zanele Muholi, Bernardo Ortiz, Delcy Morelos und Sergio De Loof sowie Gruppenausstellungen wie A Tale of Two Worlds (2017 – 2018), die zuerst im MMK in Frankfurt und später im Museo Moderno gezeigt wurde.

2022 präsentierte das Moderno die jährlichen Programme One Day on Earth (2022 – 2023), Art Is Education (2024) und Art Is Theater (2025), die jeweils eine Erzählung von über 10 Ausstellungen artikulierten. Seit 2019 ist Noorthoorn aktives Vorstandsmitglied von CIMAM (International Committee of Museums and Collections of Modern Art). Im November 2023 richtete das Museo Moderno die 55. CIMAM-Jahreskonferenz aus, an der über 240 Museumsfachleute aus mehr als 80 Ländern teilnahmen, um die soziale Rolle von Museen für moderne und zeitgenössische Kunst zu diskutieren.

Victoria Noorthoorn

Foto: Josefina Tommasi, Courtesy Museo de Arte Moderno de Buenos Aires