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Artist Talk
Vukadin Filipović, Marko Obradović, Marija Šević, Saša Tkačenko, Nina Zeljković
Moderation: Sandro Droschl, Miroslav Karić 

Artist Talk 

Miroslav Karić

Foto: Marija Strajnić

In einem gemeinsamen Gespräch werden serbische Künstler:innen der Ausstellung mit Miroslav Karić, koordinierender Kurator des Museum of Contemporary Art in Belgrad (MoCAB), und Kurator Sandro Droschl über Future of Melancholia sprechen. Marijana Kolarić, Direktorin des MoCAB, wird auch anwesend sein und sich gegebenfalls einbringen.

Die Ausstellung Future of Melancholia untersucht die Bedeutung von Melancholie in der Kunst und wie diese sich durch eine surrealistische Bildsprache historisch und gesellschaftlich manifestierte und noch immer artikuliert. Dabei wird Melancholie als globales Phänomen zwischen Fortschrittsglauben und Traditionsbewahrung beleuchtet. In der HALLE FÜR KUNST Steiermark werden drei Generationen serbischer Künstler:innen gezeigt: angefangen bei der Belgrader Gruppe der Surrealisten der 1920er-Jahre, über eine Generation, die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens aktiv war und die als Neo-Surrealist:innen bezeichnet werden können sowie eine dritte Generation zeitgenössischer Positionen, die in ihre Bildsprache immer wieder surrealistische, aber auch nostalgische und melancholische Elemente aufgreifen und die in diesem Kontext auch ein wenig kokett als melancholische Post-Surrealist:innen“ gefasst werden können.

Der Fokus des Gesprächs wird hier auf der Ausstellung in Graz und insbesondere auf den zeitgenössischen Positionen um die Künstler:innen Vukadin Filipović, Marko Obradović, Marija Šević, Saša Tkačenko und Nina Zeljković liegen, die in den 1980er- und 1990er-Jahre geboren wurden und somit kurz vor oder während dem Zerfall von Jugoslawien. Der postjugoslawische Raum, zu dem auch Serbien gehört, ist von Unsicherheiten geprägt, oszillierend zwischen Mythen, historischen Traumata und aktuellen Krisen. Trotz der spürbaren Nachwirkungen dieser Konflikte gibt es wie derzeit in Serbien nicht nur Anzeichen, sondern großen Anlass zur Hoffnung, insbesondere durch die Proteste der Zivilgesellschaft, die sich gegen Machtmissbrauch sowie Korruption stellen. Diese Freiheit lässt sich trotz der problematischen politischen Lage auch oft in der künstlerisch-ästhetischen und intellektuellen Produktion finden, wovon die hier gezeigten Positionen zeugen. Oft nutzen auch diese jungen Künstler:innen Melancholie und Spielarten des Surrealen als ein Ausdruck ihrer Zeit, um gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren und ihre individuellen ästhetischen Positionen voranzutreiben. Diese melancholische, kritische Tendenz ist aber nicht nur auf regionaler Ebene, in Serbien und Österreich, sondern auch global zu beobachten, so dass auch die zeitgenössischen, in Belgrad lebenden Künstler:innen, die hier neben ihren surrealistischen und neo-surrealistischen historischen Vorläufer:innen ausgestellt werden, wohl als Teil einer neuen Avantgarde gelten können.

Miroslav Karić

Foto: Marija Strajnić