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Gladiatoren der Schönheit in South Central, Los Angeles
Fahim Amir 

Vortrag 

Yalda Afsah, Secret Society Roller Club, 2022
Produktionsstill, Compton Los Angeles

Der Philosoph und Autor Fahim Amir verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz, der die Grenzen zwischen der Sphäre des Politischen und der Tierwelt neu auslotet. Amir macht deutlich, dass das Überdenken der Verflechtungen zwischen Mensch und Tier zu interessanten Perspektiven auf die Welt führen kann, wobei insbesondere Tiere als Teil politischer und sozialer Kämpfe sichtbar gemacht werden.

Fahim Amir wendet sich in seinem Vortrag den Videoarbeiten von Yalda Afsah zu und kommt dabei auf das Identifikationspotential verschiedener Tiere für kulturelle Subgruppen zu sprechen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Arbeit SSRC (2022), die von Taubenzüchtern in Compton, einem sozial schwachen Vorort von Los Angeles, handelt. Kulturhistorisch bedingt werden Tauben oft mit negativen Aspekten wie Schmutz und Krankheit verbunden, wohingegen der Taubenzuchtsport des Pigeon Rollings in Compton, eine positive Kraft für die communities darstellt. Das Pigeon Rolling beruht auf einem natürlichen Verhalten der Tauben: auf unerklärliche Weise vollführen sie waghalsige Rückwärtsrollen im Flug. Diese Manöver entfalten eine eigene Schönheit, die es unmöglich macht, das Verhalten der Tiere auf das bloße Überleben zu reduzieren. Die Fürsorge und Nähe zu den Tauben bildet für die Züchter oft einen Ausweg aus der Ganggewalt in Compton. So ensteht eine neue Form der Gemeinschaft, in der Rivalität keine zentrale Rolle spielt und die ohne das Pigeon Rolling nicht möglich wäre.

Künstler_innen

Teilnehmende Künstler_innen

Fahim Amir

lebt in Wien

lebt als Philosoph und Autor in Wien. Er ist Dozent an der Kunstuniversität Linz sowie an zahlreichen europäischen und internationalen Universitäten. Amir beschäftigt sich mit den Übergängen von NaturKulturen und Urbanismus, Kunst und Utopie, kolonialer Historizität und Modernismus. Amir war als Kurator verschiedener Kunst- und Musikfestivals tätig und arbeitete mit Künstler*innen wie Chicks on Speed und Deichkind zusammen. Er ist Mitherausgeber von Transcultural Modernisms (Sternberg Press, 2013) und schrieb das Nachwort zur deutschen Übersetzung von Donna Haraways Manifest für Gefährten (Merve, 2016). Sein Buch Schwein und Zeit (Nautilus, 2018) wurde mit dem österreichischen Karl Marx Preis geehrt und wurde vom Goethe-Institut und der Frankfurter Buchmesse zu einem der besten Bücher des Jahres 2019 gewählt.

Yalda Afsah, Secret Society Roller Club, 2022
Produktionsstill, Compton Los Angeles