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Academy
Rundgang für Dozent_innen

Vermittlung 

Ausstellungsrundgang 

Die HALLE FÜR KUNST Steiermark bietet zu Beginn des Semesters an zwei Terminen (30.9. und 7.10.) jeweils um 16 Uhr spezielle Rundgänge für Dozent_​innen an. Mit den aktuellen Positionen im Ausstellungsraum findet eine Reflexion von gesellschaftlichen Themen statt, die mit der Black Lives Matter-Bewegung erneut an Dringlichkeit gewonnen haben. Mit Doreen Garner und Kevin Jerome Everson steht das künstlerische Schaffen von zwei afroamerikanischen Künstler_​innen und damit der politische Diskurs in den USA im Zentrum der Aufmerksamkeit.

In der Ausstellung Recover werden mehrere Kurzfilmarbeiten des Künstlers und Experimentalfilemachers Kevin Jerome Everson gezeigt, die ungewöhnliche Blickwinkel aufweisen. Zum einen beschäftigen sich diese mit der Beobachtung des Himmels und mit dem Phänomen der Sonnenfinsternis, zum anderen verhandeln die Arbeiten Fragen der Repräsentation von verschiedenen Black Communities. Die Ausrichtung reflektiert die Möglichkeit von Erkenntnis, von Sehen, Nichtsehen, Dunkelheit und Blendung. Das Œuvre Eversons wird in seiner Vielfältigkeit sichtbar, wodurch gleichzeitig verständlich wird, wie komplex eine herkömmliche Kategorisierung seiner Werke ist. Everson wird oft als Experimentalfilmemacher rezipiert, der dokumentarisch arbeitet und der vermeintlich authentische“ Einblicke in die verschiedenen Lebenswelten der afroamerikanischen Bevölkerung gibt. Der Autor und Universitätsdozent Michael Boyce Gillespie kritisiert, dass damit eine Vereinfachung von dem einhergeht, was er terminologisch als Black Cinema und als Black Film versteht. Über das Dokumentarische hinaus legt Everson einen hohen Wert auf die formalen Qualitäten seiner Arbeiten und nähert sich zudem der Abstraktion, was seine Filme teilweise in die Tradition des expanded cinemas einreiht und diese als radikal autonome Werke in Erscheinung treten lässt.

Von Doreen Garner sind mehrere skulpturale Arbeiten in der Ausstellung Steal, Kill and Destroy: A Thief Who Intended Them Maximum Harm zu sehen, die sich mit den problematischen Verhältnissen zwischen Rasse“ und dem medizinischen System in den USA auseinandersetzen. Dabei hat sich Garner mit Harriet A. Washingtons Publikation Medical Apartheid beschäftigt, in welchem die Medizintheoretikerin die Entmenschlichung und Ausbeutung des schwarzen Körpers durch die Medizin historisch aufarbeitet. An den Körpern von afrikanischen Sklav_​innen wurden im 19. Jahrhundert grausame Experimente unter Vorzeichen des medizinischen Fortschritts durchgeführt. Doreen Garner bedient sich für ihre Skulpturen einer additiven Herangehensweise, mit deren Hilfe sie verschiedene Materialien zu synthetischen Körpergebilden kombiniert, die Fleischbrocken oder anthropomorphen Fragmenten nahekommen. Diese bestehen teilweise aus Silikon, Polyurethan, Stoffen, Perlen, Haaren, sowie Kristallen und weisen Verbindungen zwischen Nouveau Réalisme und Pop Art auf. Die Erniedrigung und Vergegenständlichung schwarzer Körper wird schonungslos wiedergeben und gleichzeitig werden weiße Körper klar als jene ausgewiesen, die dieses Leid verursachten. Garners Skulpturen ermöglichen eine Reflexion darüber, wie tief Kolonialismus und Rassismus in gesellschaftlichen Strukturen verwurzelt sind.