Study Room
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halle-fuer-kunst.at

mit Beiträgen von manuel arturo abreu, Greg de Cuir Jr., Mireille Ngosso, Carl Pope Jr., Morgan Quaintance, Danielle Brathwaite-Shirley, Paige Taul
Während der beiden Ausstellungen von Kevin Jerome Everson und Doreen Garner (3. September – 14. November 2021) wird im Untergeschoss im Zwischenbereich vor dem Ausstellungsraum ein Study Room, also Studienraum mit eigens dafür angefertigten Möbeln eingerichtet. Die Idee für dieses Format entspringt dem Wunsch einen physischen als auch diskursiven Raum zu schaffen, der beide Ausstellungen verbindet, für den Künstler_innen und Theoretiker_innen selbstständig Inhalte produzieren.
Gleichzeitig ist der Study Room ebenfalls auf der Website der HALLE FÜR KUNST Steiermark als virtueller Raum präsent, der die in Graz präsentierten Inhalte für ein globales Publikum zugänglich macht. Der Study Room kennzeichnet sich durch Beiträge mit unterschiedlichen Zeitlichkeiten. Während beispielsweise die Arbeiten von manuel arturo abreu für die ganze Ausstellungsdauer vor Ort und im virtuellen Raum zu sehen sind, gibt es andere Beiträge wie kuratierte Filmreihen oder die Präsentation von rein digitalen Arbeiten auf der Website, die punktuell und nur für kürzere Zeit abrufbar sind. Die Idee für den Study Room entwickelt sich einerseits aus dem Anliegen heraus der Fülle an Material, das im direkten Bezug zu den beiden Künstler_innen Kevin Jerome Everson und Doreen Garner steht, einen Platz zu geben. Andererseits gibt es auch Inhalte, die den lokalen Kontext in die Diskussion miteinbeziehen und sich mit den historischen Bedingungen von schwarzen Menschen in Österreich befassen. So wie etwa der Beitrag von Mireille Ngosso, Politikerin und Aktivistin, der sich mit dem Mythos auseinandersetzt, dass Österreich nichts mit Kolonialismus zu tun habe, da das Land im 19. und 20. Jahrhundert über keinerlei eigene Kolonien verfügte. Vor allem mit Ende des 19. Jahrhunderts war Österreich aber sehr wohl durch seine Kolonialgesellschaften und kolonialen Handelsbeziehungen an der Ausbeutung anderer Länder beteiligt.
Speziell solche Inhalte können ein Anstoß sein um ein Umdenken in Bezug auf den Umgang mit der eigenen Geschichte anzuregen. Gayatri Spivak, eine der wichtigsten Begründer_innen des postkolonialen Feminismus stellt in Bezug auf das Recht über andere aus einer privilegierten Position zu sprechen fest, dass dieses erst durch die Aneignung von Wissen erworben werden muss1. Hierfür ist die kritische Reflexion der eigenen Position unter Einbezug der historischen Bedingungen notwendig. Viele globale Institutionen innerhalb und außerhalb des Feldes der Gegenwartskunst befinden sich inmitten der Erkenntnis dieses Umstandes. Der Study Room signalisiert diesen Prozess und markiert die darin angestoßenen Diskussionen als momentane Ergebnisse von eben diesem Lernprozess.
- ^ Gayatri Spivak, The Post-Colonial Critic: Interviews, Strategies, Dialogues, New York: Routledge, 1990.
