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Medusa – Frauenfiguren der Mythologie
und ihre zeitgenössische Rezeption

Linda Nolan & Chiara Sulprizio 

Vortrag 

Antikensammlung der Universität Graz

Foto: HK

Die kürzlich erfolgte Aufstellung einer zwei Meter hohen Bronze der Gorgone Medusa in Downtown Manhattan, New York hat eine neue Debatte über die Darstellung von Frauen als dämonische Figuren ausgelöst. Die Skulptur mit dem Titel Medusa With the Head of Perseus stammt von dem argentinisch-italienischen Künstler Luciano Garbati und wird im Park gegenüber dem New York County Criminal Court gezeigt, wo der umstrittene Filmproduzent Harvey Weinstein vor Kurzem vor Gericht stand. Linda Nolan untersucht am exemplarischen Fall der Medusa weibliche Archetypen innerhalb der griechischen Mythologie, sowie deren sich wandelnde Darstellungen in Kunst und Kultur im Laufe der Zeit, wie Caravaggios Medusa (1597) und Cindy Shermans Arbeit, Untitled #282 (1993). Der Vortrag folgt der Theorie, dass Medusas Schönheit – und insbesondere ihre Weiblichkeit – als ebenso gefährlich angesehen wurden wie ihre Monstrosität. Nolan wird anhand exemplarischer Fälle aufzeigen, dass die meisten Hybride (halb menschliche, halb tierische Monster wie Sirenen oder Gorgonen) im antiken Griechenland weiblich waren, was nach den Ausführungen Nolans zu der Vermutung führt, dass in einer männerzentrierten Gesellschaft die Feminisierung von Monstern dazu diente, Frauen als ungeheuerlich darzustellen. Im Anschluss an den Vortrag wird Nolan im Gespräch mit Chiara Sulprizio weitere Aspekte der Repräsentation von Sexualität und Gender anhand einer Reihe von Charakteren aus der griechischen Antike diskutieren.

Prof. Dr. Linda Nolan (*1974, in Milwaukee, lebt in Rom) arbeitet an der Temple Universität in Rom. Ihre Lehrinteressen umfassen antike Kunst und Architektur, deren Rezeption in der Kunst und Architektur des 16. und 17. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, die Geschichte der Archäologie seit der Renaissance, sowie Sammlungs- und Museumsgeschichte. Nolan promovierte am Institut für Kunstgeschichte und an der University of Southern California. Neben ihrer akademischen Tätigkeit arbeitete Nolan als Forscherin und Museumspädagogin am J. Paul Getty Museum in Los Angeles und als Atelierleiterin des Künstlers Raymond Pettibon. Nolan war auch ein Samuel H. Kress Pre-Doctoral Fellow in Residence an der Bibliotheca Hertziana, Rom, und ein Fellow der American Association of University Women.

Die Veranstaltung findet online in englischer Sprache statt.

Chiara Sulprizio (* 1977 Reno, Nevada; lebt in Nashville) ist Dozentin am Institut für Klassik und Mittelmeerstudien an der Vanderbilt University in Nashville. In ihrer Forschung untersucht sie Sexualität und Gender in der griechischen Antike, vor allem unter dem Aspekt, wie diese in der Komödie, der Satire und anderen auf Humor basierten literarischen Gattungen dargestellt werden. Außerdem beschäftigt sie sich mit der Rezeptin antiker Vergangenheit in Comics, Graphic Novels und Animation und ist Gründerin des Web Archivs Animated Antiquity: Cartoon Representations of Ancient Greece and Rome” (www​.ani​ma​te​dan​ti​qui​ty​.com). Ihre jügste Publikation Sexuality in Juvenal‚s Rome: Satire 2 and Satire 6 ist im Verlag der Universität von Oklahoma im Jahr 2020 erschienen. Außerdem hat sie mehrere Publikationen zur griechischen Komödie und zum griechischen Dichter Aristophanes geschrieben.

Antikensammlung der Universität Graz

Foto: HK