Ausstellungsrundgang
Caroline Mesquita: Verdet Bath
Slide show
Wie der Titel ihrer Ausstellung Verdet Bath andeutet, hat Caroline Mesquita die HALLEFÜR KUNST Steiermark in eine badehausähnliche Landschaft verwandelt, in der ihre patinierten Skulpturen in drei verschiedenen Bereichen zusammenlaufen: dem Pool, den Kabinen und der Quelle. Der Titel Verdet bezieht sich auf einen alten Begriff für vert-de-gris, die natürliche Oxidation von Messing, die ihm einen charakteristischen Grünton verleiht – genau die Farbe des Beckens in der Ausstellung. Historisch gesehen war „Verdet“ auch ein Material, das in der Medizin verwendet wurde, was die Idee der Transformation und Regeneration unterstreicht, die Mesquitas Arbeit durchdringt.
Die Bewegung spielt eine zentrale Rolle in ihrer skulpturalen Komposition. In einem ungewöhnlichen Ansatz kombiniert Mesquita neue Arbeiten mit einer Auswahl älterer Werke, die zum Teil vor mehreren Jahren entstanden sind. Die gelenkigen Skulpturen in diesem Raum – zumindest an Kopf, Armen und Beinen – können je nach beabsichtigter Wirkung in verschiedenen Konfigurationen angeordnet werden. Um das Thema des Badens zu unterstreichen, hat sie auch einige Figuren demontiert, so dass nur noch Beine oder Torsi aus der „Wasseroberfläche“ herausragen. Diese fragmentierten Körper scheinen zwischen Materialisierung und Auflösung zu oszillieren, als würden sie in den Pool eintauchen oder aus ihm wiedergeboren werden – eine Art bain de jouvence (Jungbrunnen), ein mythischer Reset, bei dem immer eine Transformation im Spiel ist. Die Installation wird durch einen ständigen Fluss von Aktivitäten belebt, der sich dem Betrachter nach und nach erschließt, wenn er sich durch den Raum bewegt.
Im Zentrum der Ausstellung steht Mesquitas großer Pool, der als sockelartige Badelandschaft konzipiert ist und als sozialer Raum dient. Die darin befindlichen Figuren teilen eine gemeinsame Erfahrung und treten miteinander in Kontakt – vielleicht über die Notwendigkeit einer gemeinsamen Sprache hinaus. Ihre Skulpturen verkörpern eine facettenreiche Performativität mit Identitäten und Beziehungen, die fließend, anpassungsfähig und in Materialität und Kontext nicht festgelegt sind. Wie das Messing, das zu Grün oxidiert, unterliegen sie Veränderungen und Mutationen, lösen sich auf und formieren sich in einem endlosen Kreislauf neu.
Neben der Haupthalle spielen fünf Umkleidekabinen eine Schlüsselrolle bei der immersiven Nachbildung dieser Badelandschaft. Diese Umkleidekabinen bieten ein spielerisches Element des Voyeurismus, denn jede von ihnen ist mit einem Guckloch aus Messing versehen, das die Besucher einlädt, hineinzuschauen. Doch anstatt Menschen beim Umkleiden zu beobachten, entdeckt der Betrachter stattdessen filmische Werke, die für Mesquitas künstlerische Praxis emblematisch sind.
Ein Brunnen mit mehreren Wasserhähnen in der Apsis, der den symbolischen Beginn eines Kreislaufs markiert, vervollständigt diese kurartige Umgebung. Wie ein Brunnen der Verwandlung unterstreicht die Quelle die Idee der fließenden Identitäten und der ständigen Metamorphose.
Mit dieser Installation greift Mesquita auf die lange Geschichte der Badekultur zurück, die in Europa bis in die Antike zurückreicht. Öffentliche Bäder waren nicht nur Orte der Reinigung und Hygiene, sondern auch wichtige soziale Zentren, die Unterhaltung, Gemeinschaft und ein Gefühl der Gleichheit unter den Besuchern förderten.
Mit ihrem Brunnen und der Umgebung des Badehauses scheint Mesquita eine Erzählung zu weben, die an die Magie eines Märchens erinnert. Aber stellt sie wirklich eine alternative Welt dar oder fordert sie stattdessen unsere menschenzentrierte Wahrnehmung des „Sozialen“ heraus und ermutigt uns, es als ein vernetztes Reich zu begreifen, in dem der Mensch nicht dominiert, sondern nur eine Präsenz unter vielen ist? Anstatt eine dystopische Zukunft zu zeigen, lädt sie uns ein, uns eine Welt der harmonischen Koexistenz vorzustellen, in der Menschen und Tiere denselben Raum in einem ständigen Zustand der Transformation teilen. In dieser Welt verändert ein im Fluss befindliches Material seine Form, löst sich auf und formt sich in einem endlosen Kreislauf immer wieder neu.
Zur Ausstellung
Künstler:innen
Teilnehmende Künstler:innen
Caroline Mesquita
Einzelausstellungen (Auswahl): T293, Rom (2024, 2022, 2017), HAB Gallery, Nantes (2024), Bourse du travail Centre d’art, Valence (2023), Villa Medicis, Rom (2023), Le Parvis Centre d’Art contemporain, Tarbes (2022), CAN, Centre d’art Neuchâtel, Neuchâtel (2022), Blaffer Art Museum, Houston (2021), Statement Art Basel, Union Pacific (2021), Passerelle Centre d’art contemporain, Brest (2020), Pivô, São Paulo (2020), Fondazione Arnoldo Pomodoro, Mailand (2019), carlier | gebauer, Berlin (2019, 2015), Galeria Municipal de Porto (2019), Kunsthalle Lissabon, Lissabon (2018), Prix Fondation d’entreprise Ricard, Centre Pompidou, MAM (2018), Historisches Museum Basel (2018), SALTS, Basel (2017), 221A, Vancouver (2017), Kunstverein Langenhagen (2016), MOT International, Brüssel (2015), SpazioA, Pistoia (2015), Union Pacific, London (2015).
Gruppenausstellungen (Auswahl): Contemporaine de Nîmes (mit Laure Prouvost) (2024), Mucem, Marseille (2022), Fondation Vasarely, Aix-en-Provence (2022), Museo de Arte de Zapopan, Guadalajara (2021), Palais de Tokyo, Paris (2019, 2012), Folkwang Museum, Essen (2019), Bonniers Konsthall, Stockholm (2019), Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main (2019), Parcours Art Basel (2018), La Loge, Brüssel (2018), Fondation Ricard, Paris (2017, 2015, 2013), Sans Titre, Paris (2016), The Astrup Fearnley Museet, Oslo (2014).















































