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Erwin Polanc, Oliver Klimpel – Evening Standards

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Für sein jüngstes Projekt Evening Standards hat Erwin Polanc zwölf Wochen in London verbracht und sich dort diversen urbanen Communities und deren Geschichten insbesondere über Portraitfotographie sowie Dokumentationen städtischer Situationen genähert. Dabei hat er insbesondere versucht, die Spezifizität dieser Zeit und ihre ästhetisch-emotionalen Sensorien, nämlich die Post-Brexit-Atmosphäre aufzugreifen und Charaktere abzubilden, die den Optimismus der New-Labour-Jahre entweder nicht zu spüren bekommen, hinter sich gelassen haben oder nur aus den Geschichtsbüchern kennt. Auf den Straßen in Bow, Mile End und Aldgate East treffen unterschiedliche Rhythmen und Geschwindigkeiten aufeinander, die ein Konglomerat von Start-ups, Spekulation und Stadtentwicklung reflektieren sowie auch stets die Diversität der Stadt selbst abbilden.

Titelgebend für den Katalog ist die traditionsreiche Londoner Abendzeitung The Evening Standard, der 1827gegründet ab 2009 mit der Übernahme des russischen Oligarchen Alexander Jewgenjewitsch Lebedew in London Evening Standard umbenannt wurde und seither ein kostenloses, über Werbung finanziertes Gefäß des Großstadtgossips, der Businessnews und Immobilienanzeigen ist.

Im Kontext des Künstlerbuchs zerfällt der Titel in seine beiden Bestandteile, da er die Frage stellt, auf welche Normen und Standards man sich in dieser digitalen Melancholie einigen kann, in der nur noch Kameraobjektive und Mikrochips Zeiten des abnehmenden Lichts und Informationen aus einem ganz bestimmten Londoner Milieu auffangen? Polancs Fotografien zeigen eine Akribie der Bildgebung, die das Sehen selbst und seine Wahrnehmung thematisiert, während sie zugleich auch eine Hommage an London und ihre vom Verschwinden bedrohten Working Class Districts sind.

Gemeinsam mit Oliver Klimpel, mit dem er dieses Künstlerbuch in enger Zusammenarbeit entwickelt hat und welcher einen Text unter Verwendung von Schlagzeilen aus London Evening Standard angefertigt hat, wird Polanc in der HALLE FÜR KUNST Steiermark über die Entstehung des Buches sprechen und dieses vorstellen.

Zur Ausstellung

Künstler:innen

Teilnehmende Künstler:innen

Erwin Polanc

(*1982 in Friesach, lebt in Graz)

arbeitet als freischaffender Fotograf und Lehrender für Fotografie und Multimedia Art an der Abteilung für Kunst und Design an der Ortweinschule in Graz.

Ausstellungen (Auswahl): Galerie Schnitzler und Lindsberger, Graz (2022, 2021), Gottrekorder, Graz (2022, 2020), Akademie Graz (2021), <rotor>, Graz (2020), Raum für Fotografie, Klagenfurt (2020), La Strada, Graz (2020), FOTOHOF, Salzburg (2020), Galerie Marenzi, Leibnitz (2019), Kunsthaus, Graz (2018), steirischer Herbst, Graz (2017), Gallery of Photography, Dublin (2016), Forum Stadpark, Graz (2016), Österreichisches Kulturforum, Berlin (2016). 

Oliver Klimpel

(*1973 in Dresden, lebt in Berlin)

kuratiert, gestaltet und schreibt. Er setzt sich mit narrativen Umgebungen auseinander, wie zum Beispiel der Darstellungspolitik in Ausstellungen und Büchern. Seit 2022 leitet er die Kuratorische Werkstatt an der Stiftung Bauhaus Dessau. Von 2008 bis 2015 war er Professor für System-Design an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Weitere Beiträge

Ausstellungsrundgang
Celina Eceiza: Ofrenda

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Celina Eceizas Werk wächst aus einer fast organischen, metabolischen Kraft heraus und umfasst Textilcollagen, Skulpturen, Malerei und Zeichnungen – mal winzig, mal monumental – gleichermaßen aufwendig wie elementar. Die Künstlerin verbindet handwerkliche Textiltechniken wie Patchwork und Collagen aus Fundstücken mit jüngsten Experimenten in Kreidepastellen, die ihren Bildern neue Fluidität verleihen.

Ausstellungsrundgang Celina Eceiza

Annemarie Arzberger
wachgeträumt

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Für die HALLE FÜR KUNST Steiermark entwickelt Annemarie Arzberger in ihrer performativen Präsentation zum ersten Mal ein eigenes Stück und so zugleich ein Setting für ihre Puppen mit drei Szenen, das in einem imaginären Raumschiff spielt, eine Ausstellung umfasst sowie die Räumlichkeiten, das drei Szenen vorgeben: das Schlouflaboar, das Houloudeck und die Space-Grotten-Disco. Bei dem Stück handelt es sich um eine Kombination aus Körper- und Puppentheater, welches die Künstlerin gemeinsam mit ihrer Schwester Katharina Arzberger aufführt und das mit musikalischen Momenten, arrangiert von Manuel Obriejtan, unterstützt wird. 
 

Slide Show Annemarie Arzberger

Diego Bianchi
Errores Irreales

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Diego Bianchi (*1969 Buenos Aires, lebt in Buenos Aires) gilt als eine der zentralen künstlerischen Positionen Argentiniens und hat insbesondere den Begriff der Skulptur aktualisiert. Für seine installative und performative Ausstellung Errores Irreales in der HALLE FÜR KUNST Steiermark versammelt Bianchi eine Auswahl seiner mit dem Körperbegriff spielenden Skulpturen.

Slide show Diego Bianchi

Celina Eceiza
Ofrenda

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Ofrenda [Geschenk] eröffnet einen einzigartigen Zugang zum Raum: Hier wird Architektur wie ein atmender, lebendiger Körper erfahrbar, der seinen Zustand verändert, während man von einem Raum in den nächsten geht. Die Starre des Gebäudes löst sich auf, sobald die Wände mit tausenden Metern Stoff behängt werden, die durch kollektives, zeitloses Nähen miteinander verbunden sind und eine einzige, glatte, empfindliche Oberfläche bilden, die auf die kleinste Veränderung reagieren kann.

Ausstellungsrundgang Celina Eceiza

Abaseh Mirvali
Artistic Director, viennacontemporary 

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Das Gespräch zwischen Abaseh Mirvali, Direktorin der viennacontemporary, und Sandro Droschl, spannt einen Bogen von Diego Bianchis aktueller Ausstellung und Celina Eceizas Werk im Kontext der argentinischen Kunstgeschichte hin zu Mirvalis langjähriger Expertise und ihrem internationalen Werdegang. Zugleich wurde ihre zentrale Rolle für die dynamische und innovativ ausgerichtete viennacontemporary 2025 hervorgehoben.

Abaseh Mirvali Gespräch

Morning Séance
alias Simone Borghi 

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Der italienische Komponist und Klangkünstler Simone Borghi alias Morning Séance erweitert mit seiner sphärischen, sich stetig wandelnden Musik Celina Eceizas weiches Museum“ ihrer Ausstellung Ofrenda in der HALLE FÜR KUNST Steiermark, indem er durch seine musikalische Performance Körperlichkeit, Raum und Wahrnehmung auf neue Weise erfahrbar macht.

Morning Séance alias Simone Borghi