Zum Inhalt springen

Coole Schule

A.rtificial I.ntrospection O.

Rundgang für Schüler:innen

Coole Schule Schulführungen
Freier Eintritt in die Ausstellung 
Führung: 1 Euro pro Person

Anfragen für Führungen:
Caro Feistritzer
cf@​halle-​fuer-​kunst.​at
0316 740084 15

Die Ausstellung A.rtificial I.ntrospection (A.I.O.) beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz und der Frage, wie Menschen denken, wahrnehmen und sich selbst verstehen. Ausgangspunkt ist dabei das Werk des wesentlichen österreichischen Künstlers und Theoretikers Oswald Wiener, der sich schon ab den 1960er-Jahren kritisch mit diesen Themen auseinandersetzte. Er selbst war nicht nur als Künstler und Schriftsteller, sondern auch als Mathematiker und Informatiker tätig.

Wiener vertrat die Idee, dass menschliches Bewusstsein nicht nur durch Sprache erklärt werden kann und deshalb nicht vollständig von Maschinen nachgebildet werden kann. Ein zentrales Konzept ist bei ihm die Selbstbeobachtung, also das Nachdenken über das eigene Denken. In seinem Werk kritisiert er außerdem das Bild des Menschen als völlig autonomes Subjekt und beschreibt ihn eher als einen Automaten, der stark mit der Umwelt verbunden ist. Dabei dient ihm der von Alan Turing entwickelte sogenannte Turing-Test als ein wichtiger Bezugspunkt, den er jedoch auch kritisch sieht: Dieser misst nur äußeres Verhalten von Menschen, berücksichtigt aber kein Bewusstsein oder Gefühle.

Die Ausstellung verbindet Arbeiten, Archivmaterial und Aufzeichnungen von Oswald Wiener mit künstlerischen Positionen, die mit ihm in enger Verbindung standen sowie auch mit zeitgenössischen Künstler:innen, die sich mit Selbstwahrnehmung, Datenverarbeitung, Künstlicher Intelligenz und einer voranschreitenden Technologisierung beschäftigen. Besonders im Zeitalter von Algorithmen und Sprach-KI wirken Wieners Ideen wieder sehr aktuell.

Insgesamt geht es hier nicht nur um Technik, sondern um die Frage, wie menschliche Identität und Bewusstsein unter dem Einfluss von Technologie verstanden und geschützt werden können. Auch für A.I.O. bieten wir wieder thematische Rundgänge an, die gerne als Grundlage dienen können.

Oswald Wiener & Selbstbeobachtung

Oswald Wiener war eine zentrale Figur der Neo-Avantgarde und verband Kunst, Literatur, Philosophie und Wissenschaft. Er arbeitete in Wien, Berlin und Kanada und interessierte sich besonders dafür, wie menschliches Denken entsteht und verstanden werden kann. Während er anfangs glaubte, Kunst könne das Bewusstsein erklären, änderte er später seine Sicht. Er betonte, dass Sprache das Denken zwar beeinflusst, aber nicht vollständig bestimmt. Stattdessen stellte er die Selbstbeobachtung in den Mittelpunkt: also das bewusste Nachdenken über das eigene Erleben und Denken. In diesem Rundgang geht es darum, Wieners Idee der Selbstbeobachtung zu verstehen und zudem, wie sie in der zeitgenössischen Kunst fortgeführt wird.

Denken, Sprache und technische Systeme

Wiener zufolge ordnet Sprache unser Denken zwar, aber sie erklärt es nicht. Wichtiger wurde für ihn die Selbstbeobachtung, also das Nachdenken über das eigene Bewusstsein. Er beschäftigt sich außerdem damit, wie Denken, Sprache und Technik zusammenhängen. In seinen Texten zeigte er, dass Sprache, Wahrnehmung und Realität eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Sein Konzept etwa des sogenannten Bio-Adapters“ bezeugen, dass Wiener schon sehr früh Fragen stellte, die heute im Zusammenhang mit KI und virtueller Realität diskutiert werden. In diesem Rundgang widmen wir uns diesen Fragen und werden untersuchen, wie diese auch von weiteren Künstler:innen in der Ausstellung aufgegriffen werden.

Dandyismus

Wiener versteht den Dandy nicht als eine Modefigur, sondern als eine geistige Haltung. Der Dandy lehnt die Idee ab, dass der Mensch vollständig durch Wissenschaft oder Regeln erklärt werden kann – eine Haltung, die sich bei Wiener immer wieder auch in seinem Denken über Technologie finden lässt. Bei dem Dandy handelt es sich um einen Einzelgänger, der eher spontan und in kurzen Gedanken denkt (auch hier findet sich eine Ähnlichkeit zu Wiener). Gleichzeitig erkennt er durch Selbstbeobachtung, dass Gedanken und Gefühle oft nicht frei sind, sondern bestimmten Mustern folgen. Daraus entsteht die Frage, was den Menschen eigentlich ausmacht. Für Wiener ist wichtig, sich immer wieder selbst zu hinterfragen und sich gegen die Vorstellung zu wehren, vollständig erklärbar zu sein. In diesem Rundgang geht es darum, die Idee des Dandys zu betrachten und nach dem Rundgang gemeinsam zu erörtern, wie Menschlichkeit trotz zunehmender Technologie und KI bewahrt werden kann.