III. Stadt als Körper – Nähe, Reibung und visuelle Berührung

Evelyn Plaschg, Frosted, 2024
Öl auf Leinwand
120 × 90 cm
Courtesy Privatsammlung, Wien
Foto: kunst-dokumentation.com
Mit dem Titel Viscous City artikuliert Evelyn Plaschg die Ausstellung als urbanes Szenario und damit einhergehend ihr Interesse an Architektur, Verkehr und Infrastruktur. Zugleich geht es ihr hier um die Verortung des Subjekts – an einen Ort, an dem Menschen dicht mit- und nebeneinander leben, sich begegnen. Dieser Raum könnte im Sinne von viscous (viskos) als zähflüssige Substanz gelesen werden, in der sich reibende Partikel wie in einem Organismus begegnen. Der Begriff viskos stammt aus der Physik und beschreibt eine zähflüssige Substanz – weder fest noch völlig flüssig. Übertragen auf die Stadt wird er genutzt, um bestimmte urbane Zustände zu beschreiben, die nicht klar strukturiert oder starr sind, sondern sich ständig verändern, durchlässig, unübersichtlich und ambivalent sind. Die Idee von Reibung ist zum einen Ausdruck einer Überlastung bestehender Systeme und zum anderen eine Form von Kontakt und auch eine Art von Berührung. Diese Ebenen sind im Stadtraum aufs Engste miteinander verbunden. Direkt oder indirekt, wie etwa im Greifen der gleichen Oberflächen beim Nutzen der selben urbanen Infrastruktur oder Architektur, wie einem Haltegriff in einer U‑Bahn, stehen unsere Körper in unsichtbaren Netzwerken aus Berührungen in Kontakt und nutzen dieselben standardisierten Objekte. Die Stadt ist so gesehen, im Gegensatz zur Betrachtung von Stadtforscher:innen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, nicht als der Natur entgegengesetzt, sondern kann als lebendiger Körper verstanden werden, der sich durch seine Akteur:innen beeinflusst als in einem stetigen Wandel befindlich verstehen lässt.
Als Auftakt zur zentralen Installation in der Ausstellungshalle werden im Foyer die beiden Arbeiten Frosted (2024) und Immovable Object (2024) gezeigt. Sie nutzen den Moment, der sich in diesem vorgeschalteten Raum bietet, für eine konzeptuelle Handreichung zu den folgenden Arbeiten, ohne zu viel vorwegzunehmen. Die in hellblauen Tönen gemalte Darstellung, in der sich mehrere ovale Formen überlagern, wirkt wie ein extremer Zoom auf eine Iris eines menschlichen Auges. Das organische Instrument des Sehens in einer vermeintlich nicht gegenständlichen Art abzubilden und als choreographischen Auftakt zu wählen führt ganz klar vor, wie die Bilder unsere Sehgewohnheiten gezielt unterwandern und mit ihnen spielen. Anhand des Auges in einer extremen Darstellung von Nähe und einer weiteren abstrakten Arbeit, die ebenfalls eine weiche Form zeigt, die auch in ihrem Farbton an etwas Körperliches wie eine Brust oder ein Blutplättchen erinnert, zeigt sich bereits die Art und Weise, wie sich mehrere Motive zu einem Ganzen verdichten. Plaschg spielt mit der Form des assoziativen Sehens und dem Auftauchen und Verschwinden von Objektbezügen in Farbe und Form, die für die malerische Auseinandersetzung aktuell so prägend sind. Ein weiteres Element, welches sich hier bereits ankündigt und für die Ausstellung bewusst gewählt wurde, ist das Installieren der Arbeiten in Form von Reihen oder Clustern.