Einführung Diego Bianchi
Diego Bianchi
Errores Irreales
Diego Bianchi (*1969 Buenos Aires, lebt in Buenos Aires) gilt als eine der zentralen künstlerischen Positionen Argentiniens und hat insbesondere den Begriff der Skulptur aktualisiert. Für seine installative und performative Ausstellung Errores Irreales in der HALLE FÜR KUNST Steiermark versammelt Bianchi eine Auswahl seiner mit dem Körperbegriff spielenden Skulpturen, um sie in einer eigens dafür geschaffenen Architektur auch performativ zu aktivieren. Für die aufwendige Herstellung seiner verstörend und empfindsam wirkenden Plastiken verarbeitet Bianchi neben herkömmlichen Materialien auch ausrangierte und im Stadtraum von Buenos Aires, Paris sowie in Graz gefundene Objekte: Das können unscheinbare, kleinteilige Dinge sein, die vermeintlich keinen besonderen Wert oder Bedeutung haben, aber auch Autoteile, Metalle, Kunststoffe und Mode. Daraus entsteht eine bühnenbildhafte Landschaft aus Skulpturen und installativen Interventionen, die verstörend und stylisch zugleich mit dem Körperlichen und dem quasi Organisch-Innerlichen spielt.
In verschiedenen, sich überlagernden Settings – zeitweise auch von Performer:innen aktiviert – entsteht ein „nebulöses Ganzes“, das paradigmatisch für die Zeit ist, in der wir leben. Gerade die an einen theatralen Bußgang oder eine dystopische Modenschau erinnernden temporären Performances und die installativ gezeigten Videos machen die Zirkulation der Dinge und ihrer Adressaten und Träger bewusst, was an laufende Debatten um eine konsumorientierte Überproduktion und ihre Wegwerfgesellschaft versus nachhaltiger Kreislaufwirtschaft und ökologischem Klimaschutz erinnert. In seinem verwirrenden Spiel rund um unsere und andere Körper kommen psycho-soziale Wechselwirkungen zum Vorschein, die in ihrer Spezifik und Varianz eindrücklich dargestellt sind, und so über die Ebene des Sichtbaren hinaus weisen. Auch kommen derart gängige Dualismen zwischen Subjekt und Objekt ins Wanken, hin zu einem offeneren Verständnis der gegenüber dem Selbst zu aktivierenden Dingwelt. Dabei bedient sich Bianchi des Humors als einer subversiven Strategie, um der Tragik des Daseins samt all der derzeitigen Krisen mittels eines utopisch abgründigen Szenarios etwas entgegenzusetzen.
Kuratiert von Sandro Droschl