Jenna Bliss

Jenna Bliss, 5 Stock / Gangway (chat), 2017 & 2019
Super-8-mm-Film und Video, 1:39 Min., Loop
Courtesy die Künstlerin und FELIX GAUDLITZ, Wien
In ihrer Praxis, die von Filmen, Videos und Fotografien bis hin zu Skulpturen reicht, untersucht Jenna Bliss, wie Wahrnehmung, Erzählung und Wertbildung durch Ökonomische und mediale Strukturen geprägt werden. Bliss beginnt häufig mit historischen Recherchen, die sie mit aktuellen politischen und globalen Zusammenhängen verknüpft. Durch die Montage von dokumentarischem und inszeniertem Material entstehen Konstellationen, in denen sich Fakt und Fiktion überlagern und narrative Ordnungen ins Rutschen geraten. Bliss richtet ihren Blick dabei auf Ökonomische Systeme und deren Bildproduktion, in denen Wert nicht als inhärent erscheint, sondern vielmehr als Effekt von Repräsentation und Zirkulation.
In der Serie Drones bezieht sie sich auf frühe Luftaufnahmen, die aus Heißluftballons aufgenommen wurden, um die geografische Oberfläche des Landes abzubilden. Bliss drehte die Serie mit einer Super-8-mm-Kamera und Schwarz-Weiß-Umkehrfilm, was die negativen Bilder erklärt. Sie überarbeitete die Filmstills digital und übertrug sie mithilfe von LVT (Light Valve Technology) zurück auf Film, bevor sie schließlich analoge Silbergelatineabzüge anfertigte. Dieser aufwendige Prozess besteht auf einem endgültigen Bild, das vollständig physisch ist und durch Licht mittels eines Negativs erzeugt wird.
Die Aufnahmen der Serie entstanden vom One World Observatory aus, einer Aussichtsplattform auf dem „Freedom Tower“ in New York, der neben den tiefen Spiegelteichen errichtet wurde, die in Erinnerung an das World Trade Center angelegt wurden. Der Film wurde mit einer nach unten gerichteten Handkamera aufgenommen, die die Bewegung einer Drohne nachahmte. Bliss setzt hier bei einer scheinbar distanzierten, technisch vermittelten Perspektive an und untersucht, wie sich Wahrnehmung innerhalb medialer und politischer Strukturen organisiert. Ausgehend von der Perspektive der Drohne macht sie sichtbar, inwiefern dieser Blick in spezifische Régime von Überwachung, militärischer Kontrolle und geopolitischer Machtausübung eingebettet ist. Der erhöhte Blick operiert dabei nicht neutral, sondern produziert eine spezifische Form der Abstraktion, durch die Raum in ein kontrollierbares, kartierbares und potenziell operatives Bild überführt wird.
In den Arbeiten 5 Stock / Gangway (chat) und New Delivery / Gangway (chat) geht Bliss der Verschränkung von digitaler Kommunikation, logistischer Infrastruktur und betrieblicher Kommunikation nach. Ausgangspunkt sind Chatverläufe, die sie in filmische Strukturen überführt, und so als Teil jener Prozesse sichtbar macht, durch die Arbeitsabläufe und soziale Interaktionen organisiert werden. Indem Bliss diese scheinbar banalen Kommunikationsfragmente isoliert und reinszeniert, legt sie algorithmisch geprägte Logiken von Effizienz und Kontrolle offen.
In beiden Serien wird deutlich, dass Wahrnehmung niemals neutral ist. Die Arbeiten zeigen, wie Subjektivität selbst von technologischen, politischen und medialen Strukturen geprägt wird, die ansonsten unsichtbar blieben.
Drone I, 2021
Silbergelatineabzug
114,3 × 78,2 cm, gerahmt 117,5 × 81,5 cm
Courtesy Sammlung von Collection of Attilia Fattori Franchini
und Felix Gaudlitz, Wien
Drone II, 2021
Silbergelatineabzug
114,3 × 78,2 cm, gerahmt 117,5 × 81,5 cm
Drone III, 2021
Silbergelatineabzug
114,3 × 78,2 cm, gerahmt 117,5 × 81,5 cm
5 Stock / Gangway (chat), 2017 & 2019
Super-8-mm-Film und Video
1:39 Min., Loop
New Delivery / Gangway (chat), 2017 & 2019
Super-8-mm-Film und Video
1:39 Min., Loop
Alle Werke Courtesy die Künstlerin und FELIX GAUDLITZ, Wien