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Morag Keil

Morag Keil, Mr. Magic, 2024

Schaufensterpuppe, Mikrowelle, Tisch, Fauteuil, Kameras, Bildschirme, Telefon und Apfel
variable Dimension

Courtesy Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin

Morag Keil arbeitet medienübergreifend mit Malerei, Installation, Video und digitalen Formaten. In ihren Werken untersucht sie die komplexen Zusammenhänge zwischen Technologie, Überwachung und Arbeit und reflektiert, wie unsere Alltagsrealität durch (digitale) kapitalistische Systeme geprägt und strukturiert wird, insbesondere im Hinblick auf deren Auswirkungen auf Subjektivität und alltägliche Lebensrealitäten. Dabei adressiert sie Körperlichkeit, Intimität und Begehren im Kontext gegenwärtiger Medien- und Konsumkulturen. Ihre Skulpturen und Installationen greifen häufig gezielt eine Low-Fi-Ästhetik auf und vermitteln einen Eindruck von Vorläufigkeit oder Unvollständigkeit, indem sie Alltagsgegenstände oder einfache Materialien verwenden, um so die glatten Oberflächen digitaler Bildwelten zu unterlaufen. Keils Werk nimmt Bezug auf die unterschiedlichen Weisen, in denen Künstler:innen in verschiedenen Epochen neue Medien aufgenommen und transformiert haben – von kinetischer Skulptur und früher Kybernetik der 1960er-Jahre über feministische Str.mungen innerhalb der Computerkunst bis hin zu neueren Entwicklungen im Bereich der Installation.

In Mr Magic greift Keil eine häusliche Szene des Fernsehens auf und überführt sie in eine zugleich vertraute und irritierend verschobene Konstellation. Die Installation wirkt dabei gleichermaßen häuslich wie bühnenhaft und organisiert sich um eine lebensgroße Schaufensterpuppe, eine Mikrowelle sowie eine Handkamera, deren Bild auf einem Bildschirm erscheint. Die Figur selbst oszilliert zwischen menschlicher Präsenz und leerer Hülle, wodurch das Vertraute in etwas Fremdes, beinahe Unheimliches kippt. In der Betrachtung verschwimmt die Grenze zwischen den Komponenten, die die Arbeit zusammensetzen, und den Betrachtenden, die die Szene wahrnehmen, aber gleichzeitig Teil von ihr werden.

Diese Verschränkung von Wahrnehmen und Teilhaben führt zu einer Ambivalenz zwischen Innen und Außen, die sich nicht nur als räumliche oder situative Verschiebung begreifen lässt, sondern als strukturelles Moment der Wahrnehmung selbst erweist. Die Betrachtenden sind somit nicht mehr eindeutig von der Szene getrennt, sondern in ein Gefüge eingebunden, in dem Beobachtung und Partizipation ununterscheidbar werden, da sich das Wahrnehmen selbst in fortlaufenden Rückkopplungen organisiert. Mr Magic lässt sich dabei als eine Anordnung lesen, in der Selbstbeobachtung als Prozess wirksam wird, der nicht nur das Gesehene, sondern auch die Bedingungen des Sehens mit hervorbringt. So kippt die vermeintlich vertraute und private Situation des Fernsehens in eine irritierende Schleife, in der sich Subjekt und System wechselseitig hervorbringen und stabilisieren, ohne je vollständig zur Deckung zu kommen.

Mr. Magic, 2024
Schaufensterpuppe, Mikrowelle, Tisch, Fauteuil, Kameras, Bildschirme, Telefon und Apfel 
Variable Dimension 
Courtesy Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin