Franz West

Franz West, Demagog, 1984
Mischtechnik, Collage auf Wellpappe, 31 x 19 cm, gerahmt
Courtesy Heinz Neumann, Wien
Franz West arbeitete mit unterschiedlichen Medien wie der Skulptur, Installation, Zeichnung oder Collage, wobei sein Werk auf Kommunikation und Partizipation in künstlerischer Produktion und Rezeption ausgerichtet ist. Zentral ist dabei die Auflösung traditioneller Werkgrenzen, in der nicht nur das abgeschlossene Objekt, sondern der Prozess der Nutzung und Interpretation durch andere relevant wird. Neben einer umfassenden eigenen Produktion, die auf eine Aktualisierung des Skulpturbegriffs zuläuft, kollaborierte er daher auch mit anderen Künstler:innen und schuf gemeinsame Installationen, die auch soziale Situationen erzeugen.
Seit den 1970er-Jahren entwickelte West die sogenannten Passtücke, die er aus verschiedenen Materialien wie Gips oder Metall fertigte. Diese tragbaren Objekte, häufig als prothesenhafte Erweiterungen des Körpers beschrieben, werden erst durch die körperliche Interaktion der Rezipient:innen zum eigentlichen Kunstwerk. Auch weitere Arbeiten, die sich an Möbel anlehnen, konzipierte er in diesem Sinne – sie fordern zur Benutzung auf und integrieren das Publikum als Bestandteil der Arbeit. Häufig inszenierte der Künstler die unterschiedlichen Objekte mit Freund:innen und Kolleg:innen.
In der Ausstellung sind drei Arbeiten einer mehrteiligen Serie von West zu sehen, in denen er Gouache, Zeitschriftenausschnitte und Fotografien auf Karton kombiniert. Allen drei ungewöhnlich langgestreckten collagierenden Materialbildern ist gemeinsam, dass West jeweils ein übermaltes Foto von Oswald Wiener integriert: Dieser presst darauf seine Lippen zu einer Grimasse zusammen und ist vor einem flächig gemalten grau-weißen bzw. weiß-grauen Hintergrund zu sehen. Die Titel der Werke sind mehrdeutig und lassen sich als Anspielungen auf Wiener lesen: Ossi aussi Ossi, Demagog und Dialoge. In zwei der Collagen platzierte West kleine, nicht eindeutig identifizierbare Figuren in jeweils entgegengesetzte Ecken der Bildfläche. Diese scheinen auf unterschiedliche Weise mit einem Passstück zu hantieren. In der Arbeit Ossi aussi Ossi hingegen werden diese Figuren durch ein undefinierbares, spitzes Objekt ersetzt, das auf einem Untergrund positioniert ist.
In den Arbeiten steht weniger eine lineare Narration im Zentrum als vielmehr die Visualisierung einer Vorstellung oder eines gedanklichen Modells – möglicherweise eines, das sich mit Wieners Theorien zur Selbstbeobachtung und inneren Wahrnehmung verschränken lässt. Diese entfaltet sich daher als offene Anordnungen, in denen Wahrnehmung, Fragment und Bedeutung zueinander in Beziehung gesetzt werden. Sie lassen sich als visuelle Denkfelder lesen, in denen sich körperliche Erfahrung, sprachliche Reflexion und bildnerische Setzung überlagern.
Ossi aussi Ossi, 1984
Gouache, Foto, Zeitschriftenseite auf Wellpappe
35,5 × 126 cm, gerahmt
Courtesy Cathy Fiscus, Wien
Dialoge, 1984
Gouache und Druck, Papiercollage auf Karton
31 × 91 cm, gerahmt
Courtesy Sammlung Philipp Konzett, Wien
Demagog, 1984
Mischtechnik, Collage auf Wellpappe
31 × 19 cm, gerahmt
Courtesy Heinz Neumann, Wien