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Tiffany Sia

Tiffany Sia, Antipodes II, 2024

Ein umgebauter Rückspiegel, der 24 Stunden lang Live-Aufnahmen vom Hafen von Okinawa zeigt, 26 × 7,5 × 9 cm

Courtesy die Künstlerin und Maxwell Graham, New York

Tiffany Sia ist Künstlerin, Filmemacherin und Autorin. In ihrer Praxis hinterfragt sie die Grenzen von Genres und arbeitet unter anderem mit Film, Videoskulpturen, Künstler:innenbüchern und wissenschaftlichen Essays. Dabei fokussiert sie auf die Herausforderungen von visueller und sprachlicher Repräsentation, historischer Periodisierung sowie geografischer Ordnungen und die Grenzen offizieller Aufzeichnungen. Sie untersucht, wie materielle Kultur und Medienkultur – mit einem Schwerpunkt auf Printmedien sowie Film und Video – sowohl als Dokumentationsquelle als auch als Mechanismus von Herrschaft, Macht und Wahrnehmung fungieren. Sie beschäftigt sich in ihrer Arbeit außerdem damit, wie solche Formate zur Entstehung imaginärer Geografien beitragen, insbesondere im Kontext umstrittener oder nicht normativer politischer Einheiten und Territorien.

Antipodes II ist Teil einer Serie, in der Sia das Motiv des Rückspiegels als skulpturales Moment aufgreift. Sie installiert diesen von der Decke, und modifiziert ihn so, dass er an den Blick durch ein Periskop (Sehrohr) erinnert. In ihm ist ein Screen installiert, der ein 24-stündiges Live-Stream- Video vom Hafen von Okinawa zeigt. Die Künstlerin thematisiert in Antipodes II die Spannung zwischen den einerseits beeindruckenden, andererseits umstrittenen Landschaften der Pazifikregion. Somit erzeugt Sia eine situative Einbettung in Macht, Geschichte und Wahrnehmung. Dabei spielen die eingesetzten Fragmente eine Rolle, die sie zeitlich versetzt verwendet, wodurch eher eine affektive als narrative Bedeutung entsteht.

Durch die Verweigerung einer narrativen Lesbarkeit stellt Sia in ihren Arbeiten auch die Idee eines stabilen Bedeutungssystem in Frage. Wahrnehmung erscheint hier stets als kontextabhängig und Realität wird nicht als gegebene Einheit verstanden, sondern vielmehr als Effekt medialer und symbolischer Ordnungen. Dementsprechend arbeitet die Künstlerin weniger mit klaren, linearen Narrativen als mit Stimmungen, die der Wahrnehmung eine bestimmte Richtung geben, ohne sie eindeutig festzulegen. Dieser eher atmosphärische Ansatz lenkt die Aufmerksamkeit und strukturiert die Erfahrung.

Antipodes II, 2024
Ein umgebauter Rückspiegel, der 24 Stunden lang Live-Aufnahmen vom Hafen von Okinawa zeigt 
26 × 7,5 × 9 cm
Courtesy die Künstlerin und Maxwell Graham, New York