Rudolf Polanszky

Rudolf Polanszky, Der musikalische Affe III / Stück für Tiere, 2000
Video, Farbe, mit Ton
6:45 Min.
Courtesy der Künstler, Wien
Rudolf Polanszky wuchs in Wien der 1960er-Jahre im Umfeld der Wiener Aktionisten auf, auf die er in seinen frühen Arbeiten mit ironischen Aktionen reagierte. Seit den 1970er-Jahren beschäftigt er sich mit komplexen Wahrnehmungsprozessen und experimentellen Versuchsanordnungen. Bereits frühe Arbeiten wie seine Schweinsfettzeichnungen oder Sprungfederbilder bewegen sich zwischen Kontrolle und Intuition, Zufall und Absicht. Es ging dem Künstler darum, bestehende Denkmuster aufzubrechen, neu zu strukturieren und gewohnte Sehgewohnheiten zu irritieren. Seine Praxis lässt sich als ein fortlaufender Prozess des Erkennens verstehen, in dem Materialien, Formen und Bedeutungszusammenhänge verschoben werden und sich innerhalb offener Systeme immer wieder neu konfigurieren.
In der Ausstellung sind mehrere Collagen und Videoarbeiten von Polanszky zu sehen. Diese stehen im Kontext seines Interesses, unterschiedliche künstlerische Verfahrensweisen zu beobachten, um „fremdbestimmte“, unbewusste Steuerungen des Verhaltens und des Schaffensprozesses zu umgehen. Durch die Einschränkung auf bestimmte Methoden sollte die Struktur von Ergebnissen, die aus diesen Verfahren hervorgehen, gezielt untersucht und beschrieben werden.
Zu sehen sind vier Videos aus der Serie Der musikalische Affe. In diesen verhandelt Polanszky – ausgehend von der Verbindung aus „evolutionärer Genealogie“ und einem musikalischen abstrakten Impetus – die Beziehung zwischen körperlich bedingter Wahrnehmung und nicht-sprachlicher kultureller Erfahrung. In der Version von 1980 – 83 nutzt der Künstler das Medium des Super-8- Films und entwickelt eine Methode, in der er sich selbst dupliziert. Er verdoppelt dafür die linke und rechte Seite der Aufnahmen seines Kopfes, indem er diese im Negativ umdreht und wieder zusammenfügt. Er selbst beschrieb dies als ein abstraktes Ideenspiel ohne festgelegtes Ziel. Stattdessen kommt es zu einer Art zweiten Ebene des Erlebens. Diese Doppelung ist auch in der Collage Oswald Wiener trifft Oswald Wiener und diskutiert die Taniyama/Shimura Vermutung zu sehen, in der Polanszky seinen Freund Wiener auf diese Art darstellte. Die beiden standen im regen Austausch miteinander und beschäftigten sich mit ähnlichen Fragen, die unter anderem die Wahrnehmung betrafen. Auch die Musik verband sie, da sie für beide eine weitere Form des Ausdrucks und Denkens darstellte.
In Der musikalische Affe II / Gedächtnis und Musik setzt sich das Bild aus mehreren kleineren Videos zusammen, in denen Polanszky auf unterschiedliche Art und Weise musiziert, teils in Versuchsanordnungen mit Drähten, die an andere Arbeiten des Künstlers erinnern. Auch die Bezugnahme auf das Gedächtnis lässt an Wieners Auseinandersetzungen denken. In Der musikalische Affe III / Stück für Tiere musiziert Polanszky wortwörtlich für Tiere, wobei er hier die Idee verfolgt, durch den Austausch von Gehirnströmen eine erweiterte Form der Wahrnehmung zu erschließen, die über die Grenzen der eigenen Spezies hinausweist. Die Arbeit wirft Fragen nach Kommunikation, Wahrnehmung und Übersetzbarkeit zwischen unterschiedlichen Lebensformen auf.
Illustration aus Der musikalische Affe II / Gedächtnis und Musik, ca. 2001
Fotografien, Bleistift, Filzstift, Kugelschreiber auf Papier auf Holz
130 × 160 cm, gerahmt
Illustration aus Der musikalische Affe III / Stück für Tiere, ca. 2001
Fotografien, Bleistift, Filzstift, Kugelschreiber auf Papier auf Holz
130 × 160 cm, gerahmt
Der musikalische Affe, 1978 – 79
S‑8 Film, Video, Farbe, mit Ton
3:47 Min.
Der musikalische Affe II / Gedächtnis und Musik, 1985 – 89
Video‑, Film‑, Foto-Collage, Farbe, mit Ton
5:04 Min.
Der musikalische Affe III / Stück für Tiere, 2000
Video, Farbe, mit Ton
6:45 Min.
Modelle für transaggregate Strukturen, 2006-07
Video‑, Foto-Collage, Farbe, mit Ton
10:57 Min.
Oswald Wiener trifft Oswald Wiener und diskutiert die Taniyama/Shimura Vermutung, ca. 2000
Foto-Collage
80 × 50 cm
Courtesy Ingrid Wiener, Kapfenstein
Alle Arbeiten Courtesy der Künstler, Wien