Maria Lassnig

Maria Lassnig, Selbstportrait mit Sprechblase, 2006
Öl auf Leinwand
207,5 x 154 cm
Courtesy Maria Lassnig Foundation, Wien
Maria Lassnig beschäftigte sich bereits in jungen Jahren mit der Darstellung der menschlichen Figur, insbesondere im Selbstportrait. Im Zentrum ihres Interesses stand dabei nicht die äußere Erscheinung des Körpers, sondern die Wahrnehmung desselben. Mit ihrem später als „Körpergefühlsmalerei“ oder „Body Awareness“ betitelten Konzept versuchte sie physische Empfindungen und innere Zustände sichtbar zu machen.
Dieser introspektive Ansatz wird in den präsentierten Malereien deutlich. So entwickelte Lassnig die Formen von Violettes Monster bei der „Umsetzung von Körperempfindungen auf eine Fläche“, wie sie ihren Arbeitsprozess einmal beschrieb. Im Wechselspiel mit der Außensicht entstanden Gesichtszüge, die Lassnig im Werktitel als monströs identifizierte. Damit entspricht das Werk Lassnigs einem künstlerischen Verfahren, nicht-visuelle, körperlich verankerte Eigenwahrnehmungen ins Bild zu übertragen. Das abgebildete Wesen hat keine Augen, ebenso wie die Figur in der Arbeit Das optische Zeitalter. Hier wird die Problematik des Sehens explizit thematisiert: Eine nackte Figur hält ein einzelnes Auge angespannt über sich, in einer Geste, die zwischen Präsentation und Anspannung oszilliert. Das Sehen erscheint als körperlich erfahrbarer Akt.
Das später entstandene Selbstportrait mit Sprechblase lässt sich ebenfalls im Kontext der „Körpergefühlsmalerei“ lesen, erweitert diese jedoch um eine weitere Sinnesdimension. Die Sprechblase visualisiert das Immaterielle; Sprache oder Geräusche werden in eine bildliche Form überführt. Der im Profil dargestellte Kopf ist zugleich Körper, was durch die angedeuteten Beine rechts im Bild betont wird.
Das optische Zeitalter, 1985 – 1986
Öl auf Leinwand
98,5 × 75 cm
Selbstportrait mit Sprechblase, 2006
Öl auf Leinwand
207,5 × 154 cm
Violettes Monster, 1964
Öl auf Leinwand
60 × 50 cm, gerahmt 61,5 × 51,1 × 3,8 cm
Alle Werke Courtesy Maria Lassnig Stiftung, Wien