Ken Okiishi

Ken Okiishi, 25 jan. 2025, 2025
Acrylfarbe auf Mylar, Monitor, .mov-Datei (Farbe, ohne Ton)
121,9 x 68,6 x 9,5 cm
Courtesy Reena Spaulings Fine Art, New York und Pilar Corrias, London
In seinen Werken verhandelt Ken Okiishi komplexe Gedanken- und Gefühlszustände, indem er das Vokabular der Medien thematisiert, die er aufgreift und zugleich kritisch hinterfragt. Seine Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Materie und Erinnerung, Wahrnehmung und Handlung, Bildnetzwerken und Mediensystemen. Dabei erzeugt er Momente, in denen Sprache und Bilder auseinanderdriften und gezielte Störungen entstehen, die neue Wahrnehmungsspielräume eröffnen. Im Zentrum steht sein Interesse an den sich wandelnden Beziehungen zwischen digitalem Bildraum und physischer Existenz sowie an der Frage, wie sich Körper und Psyche an eine zunehmend durch technologische und visuelle Artefakte geprägte Wirklichkeit anpassen.
In der Arbeit 25 jan 2025 überlagert Okiishi eine Abfolge digitaler Bilder auf einem Screen mit gestischen Pinselstrichen. Die Bilder stammen aus einer Bildschirmaufnahme von Videos, die in Okiishis Instagram-Suchfenster erschienen sind – einem Bereich, in dem durch KI-Algorithmen optimierte Empfehlungen angezeigt werden, was Okiishi als „abjektes Unbewusstes“ bezeichnet hat. Durch das Changieren der Bilder – von einer Porträtaufnahme Luigi Mangiones, eines des Mordes an dem CEO von UnitedHealthCare angeklagten Ivy League-Absolventen, bis hin zu weniger bekannten Personen (von denen viele mit KI generiert wurden) und unterschiedlichen Close-ups – entsteht ein visuelles Gefüge, in dem auf den Bildschirm aufgemalte Pinselstriche mal lesbarer, mal weniger lesbar auftreten. Im Wechselspiel der Pinselstriche wird eine Form von Berührung simuliert, die sich wiederholt und nachhallt. So gelingt es Okiishi, den Charakter und die repräsentative Darstellung digitaler Daten gestisch zu artikulieren und sichtbar zu machen. Der New Yorker Künstler und Schriftsteller Felix Bernstein beschreibt diese Arbeiten als eine hauchdünne Membran, die sich wie eine zweite Haut über das Bild legt. In seiner Vorstellung wird der Bildschirm zu einer strukturierten Oberfl.che, die zugleich adressiert und entzogen wird, wodurch sich eine Annäherung an ein letztlich unerreichbares Bild vollzieht. Gleichzeitig wird die Grenze zwischen Bild und Träger instabil, sodass nicht eindeutig zu bestimmen ist, ob sich die malerische Spur innerhalb oder auf der Oberfläche des digitalen Bildraums verorten lässt. In der Überlagerung unterschiedlicher Zeitlichkeiten und medialer Ebenen entsteht ein Gefüge, in dem sich körperliche Geste und datenbasierte Prozesse verschränken und Wahrnehmung selbst als ein zirkulärer, rückgekoppelter Vorgang erfahrbar wird.
In Ken Okiishis Werken zeigt sich, wie sehr Wahrnehmung und Bedeutung an mediale Prozesse gebunden sind, die sich nicht stabilisieren lassen, sondern sich fortwährend verschieben und neu organisieren. Seine Arbeiten erzeugen gezielte Irritationen innerhalb von Bild- und Zeichensystemen und machen deutlich, dass Sehen und Verstehen keine unmittelbaren Akte sind, sondern durch Strukturen vermittelt werden, die sich selbst beeinflussen und fortlaufend modifizieren. Subjektivität und Bedeutung entstehen erst innerhalb solcher medial vermittelten Schleifen, in denen Wahrnehmung, Interpretation und Reaktion ineinandergreifen, und dabei grundlegend instabil sowie jederzeit verschiebbar bleiben.
25 jan. 2025, 2025
Acrylfarbe auf Mylar, Monitor, .mov-Datei (Farbe, ohne Ton)
121,9 × 68,6 × 9,5 cm
Courtesy Reena Spaulings Fine Art, New York und Pilar Corrias, London