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Walter Pichler

Walter Pichler, TV-Helm (Tragbares Wohnzimmer), 1967/2022

Silbergelatineprint
116112 cm, gerahmt

Courtesy Galerie Krinzinger und Nachlass Walter Pichler, Wien

Walter Pichler arbeitete mit Bildern, Objekten, Installationen und Architekturen und setzte sich dabei intensiv mit Raum und dessen individueller Wahrnehmung auseinander. Ausgangspunkt seines Schaffens war stets die Zeichnung, die sowohl der Konzeption seiner Skulpturen diente als auch einen Gegenpol zu deren präziser Ausführung bildete.

Walter Pichler und Oswald Wiener verband eine freundschaftliche und künstlerische Verbindung. Beide gehörten innerhalb der Wiener Avantgarde der 1960er-Jahre zur Gruppierung der Englischen Flotte“, die sich mit visionären architektonischen und utopischen Konzepten auseinandersetzte. In die verbesserung von mitteleuropa, roman widmete Wiener Pichler den Appendix notizen zum konzept des bio-adapters“. Darin beschreibt er eine technische Einrichtung, die den Menschen vollständig mit einer künstlichen Umwelt umgibt, sodass die Grenze zwischen Organismus und Umwelt zunehmend aufgehoben wird. In diesem Kontext entwarf er, teils gemeinsam mit Hans Hollein, utopische Stadtmodelle und Objekte an der Schnittstelle von Kunst und Architektur.

Präsentiert werden eine Fotoserie sowie Zeichnungen zu Pichlers TV-Helm, der Teil der Werkgruppe der sogenannten Prototypen ist, die zwischen 1966 und 1969 entstanden. Diese prothesenhaft anmutenden Arbeiten greifen ästhetische Einflüsse aus Raumfahrt, Automobil- und Militärindustrie auf und nutzen Materialien wie Kunststoff, Aluminium oder pneumatische Elemente. Der TV-Helm, von Pichler auch Das tragbare Wohnzimmer genannt, kann als technologische Erweiterung des menschlichen Kopfes und zugleich als mediale Isolationsvorrichtung verstanden werden. Fotografien zeigen, wie die Person visuell von der Außenwelt abgeschirmt wird und sich vollständig auf das im Helm integrierte Fernsehbild konzentriert. In der Skulptur Apparat (Prototyp 1) werden diese Ideen auf eine beinahe körpergroße Skulptur ausgeweitet, wobei die Rolle des Sehens und ihre Verstrickung mit dem Denken durch eine Sehvorrichtung in den Fokus gerückt werden. Diese ist auch in der Fotografie Apparat (Prototyp 1) abgedruckt, wo sie eingegipst an eine prothesenhafte Vorrichtung erinnert.

Walter Pichler verhandelt in seinen Arbeiten somit ein Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine, Apparatur und Umwelt. Jahrzehnte vor der Entwicklung von Virtual-Reality-Technologien nimmt er nicht nur eine Erweiterung medialer Wahrnehmungsräume vorweg, sondern formuliert zugleich eine kritische Reflexion über die Vereinzelung des Menschen im Zeitalter des Medienkonsums.

Apparat (Prototyp 1), 1966
Aluminium, Messing verchromt
136 × 55150 cm

Apparat (Prototyp 1) Detail, 1966
Silbergelatineprint, Vintage
31 × 24 cm, gerahmt

Prototyp 1, 1966
Mischtechnik auf Papier 
26 × 23 cm, gerahmt

TV Helm, 1967
Mischtechnik auf Papier 
29 × 20,5 cm, gerahmt

Kleiner Raum (Prototyp 4), 1967
Silbergelatineprint
40 × 30 cm, gerahmt 8561 cm

TV-Helm (Tragbares Wohnzimmer), 1967/2022
Silbergelatineprint
116 × 112 cm, gerahmt

Alle Arbeiten Courtesy Galerie Krinzinger und Nachlass Walter Pichler, Wien