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The Future of Melancholia
14.2.–4.5.2025

Eröffnung:

Ausstellung

Wenn wir über Gemeinsamkeiten von so unterschiedlichen, durch eine lange freud- wie leidvolle Geschichte verbundene Länder wie Serbien und Österreich nachdenken, kommen uns immer wieder so widersprüchliche Begriffe wie Erhaltung, Restaurierung und Prolongierung des Status Quo versus einer letztlich doch vorhandenen Fortschrittsgläubigkeit im Sinne eines Glaubens an eine bessere Zukunft ins Bewusstsein, die auch einen Hang zum Utopischen in sich trägt. Dies mündet in einem diffusen Stimmungsbild von Melancholie und Nostalgie um das Althergebrachte, aber orientiert sich auch am Heroisch-Verträumten, quasi als Replik auf Erlebnisse und Vorstellungen aus Sozialismus und Faschismus und dessen teilweise noch spürbaren Auswirkungen auf die Gegenwart.

Die Ausstellung The Future of Melancholia will diesem melancholischen Eindruck nachgehen und in einem Dialog auf Augenhöhe zwischen einer aktuellen Generation von Künstler*innen aus Serbien und Österreich zeigen. Diese soll in zwei aufeinanderfolgenden Ausstellungen in der HALLE FÜR KUNST Steiermark und im Museum für zeitgenössische Kunst Belgrad (Salon, Legacy House) gezeigt werden.

Kooperation: Museum of Contemporary Art, Belgrad

The Future of Melancholia
8.3. – 4.5.2025
Eröffnung: 7.3.202518:00 und 20:00 Uhr
Museum of Contemporary Art Belgrade
Salon, Legacy House

Ansichten

Lidija Delić, A View From an Office, 2020

Öl auf Leinwand, 150180 cm

Text

Wenn wir über Gemeinsamkeiten von so unterschiedlichen, durch eine lange freud- wie leidvolle Geschichte verbundene Länder wie Serbien und Österreich nachdenken, kommen uns immer wieder so widersprüchliche Begriffe wie Erhaltung, Restaurierung und Prolongierung des Status Quo versus einer letztlich doch vorhandenen Fortschrittsgläubigkeit im Sinne eines Glaubens an eine bessere Zukunft ins Bewusstsein, die auch einen Hang zum Utopischen in sich trägt. Dies mündet in einem diffusen Stimmungsbild von Melancholie und Nostalgie um das Althergebrachte, aber orientiert sich auch am Heroisch-Verträumten, quasi als Replik auf Erlebnisse und Vorstellungen aus Sozialismus und Faschismus und dessen teilweise noch spürbaren Auswirkungen auf die Gegenwart.

Diese Sicht auf eine mitunter unübersichtliche Gemengelage im Zeichen von mangelndem Selbstbewusstsein bei gleichzeitiger Selbstüberhöhung gegenüber den Anderen steht allerdings nicht nur für ein regionale Besonderheit, sondern spiegelt ein globales Bild unserer Zeit. Es zeigt nicht nur die Komplexität und teilweise Unsicherheit im Umgang mit den vielseitigen und ständig zunehmenden Ansprüchen der Gegenwart auf, sondern auch einen Backlash, der sein vermeintliches Heil in einem eher traditionellen Weltbild erkennen lässt, der dem Willen zum Fortschritt und zur Veränderung gegenübersteht – wobei nicht klar ist, wohin uns dieser führen wird.

Dies erinnert auch ein wenig an ein berühmtes Kapitel aus Robert Musils epochalem Werk Der Mann ohne Eigenschaften (1930), Wenn es einen Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch einen Möglichkeitssinn geben“, dessen Protagonist Ulrich sich zu nichts ernsthaft bekennen mag und sich jeder Festlegung im eigenen Leben entzieht, um sich neue Optionen und Konstellationen offenzuhalten. In diesem Möglichkeitssinn, den Musil angesichts des Untergangs der K&K Monarchie und seines Kakaniens am Übergang von Vormoderne zu Moderne auch als Parallelaktion zur Wirklichkeit beschrieben hat, steckt auch ein großer Hang zu einem melancholischen Weltbild, das zwischen Zweifel, Neid, Missgunst, Selbsthass und Ironie, aber auch Hingabe, Suggestion und Eifer schwankt, und in dessen genuiner Negativität auch reichlich produktive Kraft steckt.

Gerade Künstler:innen aus Serbien und dieser weitverzweigten Region, die man lapidar Balkan nennt und wozu manche auch Österreich zählen, wird gerne nachgesagt, dass diese innere Gespaltenheit zwischen den guten alten Zeiten, den Krisen der Gegenwart um Inflation, Corona, Migration und Krieg, und dem neuen Unbekannten zu einer melancholischen Sicht auf die Welt führt, einer nachdenklichen Gewissheit um die eigenen, bislang erhaltenen Stärken auf der Suche nach dem persönlichen Weg, der mitunter mit Zweifel und Konflikten beladen ist, aber doch nach vorne weist.

Die Ausstellung The Future of Melancholia will diesem melancholischen Eindruck nachgehen und in einem Dialog auf Augenhöhe zwischen einer aktuellen Generation von Künstler:innen aus Serbien und Österreich zeigen. Diese soll in zwei aufeinanderfolgenden Ausstellungen in der HALLE FÜR KUNST Steiermark und im Museum für zeitgenössische Kunst Belgrad (Salon of the Museum of Contemporary Art und Gallery-Legacy of Milica Zorić & Rodoljub Čolaković) gezeigt werden. Dafür soll eine repräsentative Auswahl von serbischen Künstler:innen in Graz, und von österreichischen Künstler:innen in Belgrad gezeigt werden. Reizvoll scheint dabei das exemplarische Einbinden von historischen modernen Positionen, um Fragestellung nach Modernität im Damals und Heute, und ihr jeweiliges melancholisches Zeitbild miteinander in Beziehung setzen zu können. 

Kuratoren: Sandro Droschl, Miroslav Karić

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