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TARWUK
3.6.–10.9.2023

Eröffnung:

Ausstellung

Die Arbeiten von TARWUK sind durch eine vielschichtige Ästhetik geprägt, die auf ein großes kunsthistorisches Interesse der Künstler*innen hindeuten. Gleichzeitig tragen gerade ihre Skulpturen und Objekte dystopisch-futuristische Züge in sich. Während die Objekte und Skulpturen, die oftmals versehrte menschliche Körper nachempfinden, wie archäologische Relikte oder Totems aussehen, weisen sie gleichzeitig Züge von inhumanen Science-Fiction-artigen Mensch-Maschinen auf. Die Erinnerung an den Krieg in und den Zerfall Jugoslawiens prägen die Künstler*innen bis heute. Dabei verarbeiten sie in ihren Werken eine Art zerklüfteten körperlichen und mentalen Zustand, als eine Form der fragmentierten Existenz, die nie geheilt werden kann. 

Ansichten

TARWUK, KLOSKLAS Tejivs kejivu Irog (semelion), 2021

Harz, Ton, Polyurethanschaum, Leder, Aluminium, Stahl, Kaffee, Wachs, Pferdeknochen, Hirschknochen, menschliche Zähne, BQE-Relikte
119.4124.594 cm

Courtesy MATTHEW BROWN Gallery, Los Angeles

Text

Hinter dem frei erfundenen Pseudonym TARWUK verbergen sich die beiden in Kroatien geborenen und mittlerweile in New York lebenden Künstler*innen Bruno Pogačnik Tremow und Ivana Vukšić. Seit 2014 arbeitet das Duo gemeinsam und schafft Skulpturen, Malereien, Zeichnungen, Performances, Filme und Installationen, die ihre multidisziplinäre Praxis prägen. Ihre Arbeiten sind durch eine vielschichtige Ästhetik geprägt, die auf ein großes kunsthistorisches Interesse der Künstler*innen hindeuten. Gleichzeitig tragen gerade ihre Skulpturen und Objekte dystopisch-futuristische Züge in sich. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit und Zukunft lassen so eine anachronistische Praxis entstehen, die die Gegenwart als einen zeitlichen und räumlichen Existenzraum unter vielen begreift. Dieser eklektizistische Umgang mit der Zeit spiegelt sich auch in den von ihnen verwendeten Materialien und Medien wider. Während die Objekte und Skulpturen, die oftmals versehrte menschliche Körper nachempfinden und wie archäologische Relikte oder Totems aussehen, tragen sie gleichzeitig Züge von inhumanen Science-Fiction-artigen Mensch-Maschinen in sich. Dieser Eindruck entsteht durch die Akkumulation von Werkstoffen wie beispielsweise Kunstharz, Leder, Wachs, Ton, Tierknochen und gefundene Objekte, die die Arbeiten mystisch-spirituell aufzuladen scheinen. Jene Arbeiten sind stark durch eine fragmentierte Wiedergabe des Körpers geprägt, die unweigerlich Assoziationen zu psychotraumatischen Erlebnissen und Zuständen hervorrufen. Tremow und Vukšić sind beide in einem Staat geboren, den es heute nicht mehr gibt. Die Erinnerung an den Krieg in und den Zerfall Jugoslawiens prägen die Künstler*innen bis heute. Dabei verarbeiten sie in ihren Werken keine konkreten Vorfälle oder persönlichen Erlebnisse, sondern eine Art zerklüfteten körperlichen und mentalen Zustand, als eine Form der fragmentierten Existenz, die nie geheilt werden kann.

Die großangelegte Einzelausstellung in der HALLE FÜR KUNST Steiermark ist die erste institutionelle Ausstellung der Künstler*innen im deutschsprachigen Raum und stellt zum jetzigen Zeitpunkt das umfangreichste Projekt innerhalb ihrer Karriere dar. Die Ausstellung zeigt verschiedene Werkgruppen, von welchen einige zum ersten Mal innerhalb eines institutionellen Kontextes gezeigt werden. So entsteht vor Ort eine ortsspezifische Arbeit, die durch die unmittelbare Umgebung der Stadt Graz und die einzigartige Architektur des Raumes inspiriert ist. Durch die Nähe der Stadt zum Herkunftsland Kroatien ist Graz für die Künstler*innen ein bekannter Ort. Nicht nur die Steiermark, sondern die österreichische Kunstproduktion im Allgemeinen war und ist für TARWUK ein wichtiger Bezugspunkt, wobei sie sich im Besonderen für die Geschichte der Phantastischen Realisten und lokalen Spielformen des Surrealismus interessieren.

Im Dialog mit der Ausstellung ist in den weiteren Räumlichkeiten der HALLE FÜR KUNST Steiermark die Ausstellung Fantastic Surrealists zu sehen, die einem ähnlichen Interesse nachspürt und eine Verbindungslinie zu verwandten Positionen aus der Geschichte der kroatischen bzw. jugoslawischen Kunstgeschichte zieht. Beide Ausstellungen werden durch ein Rahmen- und Vermittlungsprogramm und eine gemeinsame Publikation begleitet.

Kuratiert von Cathrin Mayer

Künstler*innen

Teilnehmende Künstler*innen

TARWUK

(*2014 gegründet in New York), Ivana Vuksic (*1981 Dubrovnik, lebt in New York), Bruno Pogacnik Tremow (*1981 Zagreb, lebt in New York)

Solo (u.a.): Maramotti Collection, Emilia Romagana (2021), Matthew Brown, Los Angeles (2021), Martos Gallery, New York (2020), Lauba, Zagreb (2020), Taito Ryokan, Tokyo (2019), Team Gallery, New York (2018), Museum of Fine Art, Osijek (2017), Ethnographical Museum of Istria, Panzin (2017), Ethnographical Museum of Istria, Pazin (2017), Essex Flowers, New York (2017), Museum of Fine Arts, Split (2017), Museum of Modern and Contemporary Art, Rijeka (2016), Lauba, Zagreb (2015)
Shows (u.a.): Drava Art Biennale, Lauba Zagreb (2020), MLU, Osijek (2020), Museum of Contemporary Art Vojvodina, Novi Sad (2018), Museum of Modern Art, Dubrovnik (2018), Art-O-Rama Marseille (2018), JTT, New York (2018), Museum of Contemporary Art Vojvodina, Novi Sad (2018), Inside Out Art Museum, Beijing (2014), NARS Foundation Gallery, New York (2014)

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