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Stano Filko

Ausstellung

Eine Kooperation mit der Slovak National Gallery und Linea Collection, Bratislava

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Stano Filko, Map of the World (Rockets), 1967

Courtesy Linea Collection, Bratislava

Text

Stano Filko war in der Zeit der mitteleuropäischen Neo-Avantgarde einer der wichtigsten Vertreter moderner tschecho-slowakischer Kunst, sein komplexes Oeuvre verweist auf die Strömungen Fluxus, Nouveau Realisme, Dada und Pop Art. Mitte der 1960er Jahre begann er mit der Entwicklung von Environments, Installationen, pneumatischen Skulpturen und utopischen Architekturen, die sein erstarkendes Interesse an Transzendentalphilosophie, Kosmologie und Metaphysik wiederspiegeln. Dieses Interesse lässt sich im Besonderen in den von Fluxus stark beeinflussten Happenings und Aktionen im öffentlichen Raum nachempfinden, die einen integralen Aspekt seines Gesamtwerks bilden. In Zusammenarbeit mit der Slovak National Gallery und der Linea Collection Bratislava wirft die HALLE FÜR KUNST Steiermark mit der Retrospektive Stano Filko. Cosmology einen frischen Blick auf dieses nachhaltig wirksame Werk. Die Ausstellung beleuchtet die Bedeutung dieser herausragenden Größe und seines progressiven Gesellschaftsentwurfs für die heutigen – weniger visionären – Zeiten. 

Die Architektur der Personale lehnt sich bewusst an eines der umfassendsten Werke des Künstlers an: Die sieben Räume des Ateliers Stano Filkos in der Snežienkova Straße in Bratislava fungierten ab 1990 als Resonanzort seines seit den 1970ern erarbeiteten komplexen Zeichen- und Farbsystems, mit dessen Hilfe er Alltagsgegenständen neue symbolische Bedeutung zuwies. Bereits zwischen 1966 und 1970 stellte Filko, der sich durchgängig von Anti-Kunst, Nihilismus und Bildersturm fasziniert zeigte, mehrere interaktive Environments her, die auf seiner Vorstellung von Intermedia und Interdisziplinarität basierten. Daraus entwickelte sich das oben beschriebene Theorie-System, welches er in seinem Studio in die Praxis übertrug, indem er es in Relation zu seinem eigenen Leben und sozial-politische Events brachte. Dieses von Filko geschaffene institutionell agierende Gesamtkunstwerk, das seinem Ansatz folgte, obsessive Kreativität mit einzigartiger Vorstellungskraft und Fähigkeit zu verbinden, findet nun Einzug in die Konzeption der Ausstellung. Hier wird das im ursprünglichen Sinne multimediale, konzeptionelle Schaffen des Künstlers in sieben Räumen auf zwei Ausstellungsebenen abgebildet.

Darüber hinaus sind gleich zwei Arbeiten im Außenraum geplant, die implizit mit der Begeisterung des Künstlers für die Raumfahrt und deren Erschließung des Weltraums in Verbindung stehen: Filkos Cathedral of Rockets, ein Modell von 1967 für eine Außenskulptur aus gestanztem Blech, wird erstmals realisiert und beim Einfall von Sonnen- oder Mondstrahlen Raketen aus Licht an die Fassade der Grazer Institution projizieren. Zugleich werden zehn raketenförmige Skulpturen in unterschiedlichen Farben auf dem Dach des Gebäudes installiert und den Blick der Besucher_​innerin bereits vor dem Eintritt himmelwärts, auf das uns allen übergeordnete System, lenken.

Das Projekt wird von einem Rahmen- und Vermittlungsprogramm sowie einer umfangreichen monografischen Publikation begleitet. 

Kuratiert von Sandro Droschl