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on affairs
Noah Barker, Milena Büsch, Carolyn Lazard, Ghislaine Leung, Lorenza Longhi, Vera Lutz, Studio For Propositional Cinema, Sung Tieu
28.1.–30.4.2023

Ausstellung

Die Gegenwart und unser medialer Zugang zu ihr ist durch eine Vielzahl von digitalen und analogen Verschränkungen von Textlichem und Bildlichem geprägt. Die Zeichen türmen sich in unseren Regalen wie auch in unseren Smartphones, in Inboxes wie auch den sozialen Medien. Alles überlagert und überdeckt sich gegenseitig. Natürlich ist das System der Kunst dem in gewissen Bereichen auch ausgeliefert, aber eben nicht zur Gänze. Die Ausstellung on affairs nimmt das Eintauchen in diesen gewaltigen Ozean der Bilder und Worte und das Bergen von Fragmenten und Versatzstücken als Sinnbild. 

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Vera Lutz, Verdunkelungssystem (3), 2022 (Detail)

Vorhangschienen aus Aluminium
217 × 322 cm

Courtesy FELIX GAUDLITZ, Wien

Text

Die Gegenwart und unser medialer Zugang zu ihr ist durch eine Vielzahl von digitalen und analogen Verschränkungen von Textlichem und Bildlichem geprägt. Die Zeichen türmen sich in unseren Regalen wie auch in unseren Smartphones, in Inboxes wie auch den sozialen Medien. Alles überlagert und überdeckt sich gegenseitig. Natürlich ist das System der Kunst dem in gewissen Bereichen auch ausgeliefert, aber eben nicht zur Gänze. Die Ausstellung on affairs nimmt das Eintauchen in diesen gewaltigen Ozean der Bilder und Worte und das Bergen von Fragmenten und Versatzstücken als Sinnbild um die gezeigten Praxen zu charakterisieren und zu beschreiben: durch das Mittel der Isolation um bestimmte Zeichen und Partikel aus dieser Überfülle herauszulösen und auf eine andere Art sichtbar zu machen. Das Isolieren von Objekten, Bildern und Sprache hat in der Kunst eine lang angelegte Tradition, die vom Readymade über die Minimal Art, Spielformen der Pop Art, der (Post-)Konzeptkunst, Institutionskritik oder Relational Aesthetics bis weit in die Produktionsformen unserer Gegenwart ragt. Jüngere Künstler*innengenerationen knüpfen an die reiche Vergangenheit der Infragestellung unserer medialen Filter zur Wahrnehmung der Welt an. Die Strategien sind dabei präzise wie divers, was sie eint ist ein aktualisiertes Spiel um Syntax, Semantik und Materialität, bei hohem kunstimmanentem Wellengang, in für die konzentrierte Betrachtung schließlich ruhig zu haltenden Gewässern.

So arbeitet Ghislaine Leung sich an der Infrastruktur der jeweiligen Ausstellungsinstitution ab und lässt beispielsweise alle unbenutzten Steckdosen in Ausstellungen alle unbespielten Wandsegmente in Sichthöhe braun streichen, aber auch das Wassser eines Brunnens rauschen. Sung Tieu verbindet in ihrer bildhauerischen Praxis Möbel oder Architekturelemente aus Tresorräumen und Gefängnissen und verbindet diese mit Textfragmenten aus der Traumdeutung und Psychoanalyse. In der Verschränkung oder Rekombination entstehen nachhaltige Eindrücke der gesellschaftlichen Repression gegenüber dem Individuum. In Lorenza Longhis Praxis werden visuelle Elemente aus Kommunikationsstrategien und Objekte, die in unserer Gegenwart eine besondere Rolle spielen, reproduziert und neu zusammengemischt, wobei sie handwerkliche Techniken einsetzt, um ihre vermeintliche Neutralität empirisch zu testen und zu hinterfragen. Die Arbeit von Noah Barker beinhaltet eine distanzierte Logik in Bezug auf Kontext und Absicht als Schatten ihrer strukturellen Bedingungen. Ein dauerhafter Aufschub übersteigt eine Just-in-Time-Arithmetik, während die Ergänzung, das Echo und die Wiederankunft latente Motive in einer Praxis sind, die von der vorhergegangenen Produktion von sich selbst und anderen getragen wird. Das Interesse von Vera Lutz liegt bei in sich geschlossenen Systemen. Dies meint zum einen die Hermetik des eigenen Arbeitszugangs, aber auch mit einem Augenzwinkern Stromkreisläufe oder Führungsschienen von Verdunkelungssystemen. Milena Büsch interessiert sich für Alltags- und Popkulturen und deren Darstellungen in Zeitschriften und Magazinen, wobei sie darin vorgefundene fotografische Abbildungen durch Malerei gestisch überarbeitet und den Fokus dabei auf die unterschiedliche Medien verbindenden Qualitäten von Farbe und Struktur legt. Carolyn Lazard arbeitet interdisziplinär und medienübergreifend und erforscht die sozialen und politischen Dimensionen der Pflege an der Schnittstelle von Rasse, Geschlecht und Beeinträchtigung. Mit dem Fokus auf Zugänglichkeit und Abhängigkeit stellen ihre Kunstwerke und veröffentlichten Schriften Krankheit als Ort des Überflusses und der Kollektivität in den Mittelpunkt. Durch Sprache, Aktionen, Sounds und Bilder, durch Produktion, Publikation, Ausstellung und Fiktion versucht das Studio for Propositional Cinema die formalen und zeitlichen Bedingungen gegebener kultureller Formate jenseits traditioneller, konsumierbarer Formen auszuweiten. 

Die verschiedenen Spielformen der aktuellen Konzeptkunst, die on affairs versammelt, birgt eine breite Auseinandersetzung mit dem Modus, wie Kunst uns helfen kann unsere Gegenwart besser zu verstehen, ihr zu begegnen und mit ihr umzugehen. Dabei folgt Post-Concept auf Concept, ohne dass die Gegenwärtigkeit ihrer Kunst an Aktualität verloren hätte. Durch die unterschiedlichen Zugänge zur Isolation und Auswahl der Bilder werden nicht nur deren spezifische Qualitäten, sondern deren Bezug zum Objekt in seiner fragilen Vielfalt klarer, sei es in Sprache, Poesie oder Form.

Kommunizierend zu dieser Ausstellung wird in der Haupthalle der HALLE FÜR KUNST Steiermark die Personale sink des österreichischen Konzeptkünstlers Heinrich Dunst gezeigt. sink und on affairs werden durch ein gemeinsames Rahmen- und Vermittlungsprogramm und eine Publikation (saxpublishers, Wien) begleitet.

Kuratiert von Sandro Droschl und Jan Tappe

Künstler*innen

Teilnehmende Künstler*innen

Noah Barker

*1991 Kalifornien, lebt in New York

Solo (u.a.): Alienze, Wien (2021), Löwengasse, Köln (2021), Fanta-MLN, Mailand (2019), Lodos, Mexico City (2019), Air de Paris, Paris (2018), Éclair, Berlin (2017), And Now, Dallas (2016), First Continent, Baltimore (2015); Shows (u.a.): Fluentum, Berlin (2022), Fanta, Mailand (2022, 2018), MACRO, Museum of Contemporarty Art of Rome, Rom (2021), Air de Paris (2019), Fanta-MLN, Mailand (2019), Lodos, Mexico City (2019), Galerie Nathalie Halgand, Wien (2018), Meyer Kainer, Wien (2017), Simon Lee, New York (2017), Seventeen, London (2016), Okayama, Japan (2016), James Kelly, Chicago (2016), Exo Exo, Paris (2016), Dark Arts International, Mexico City (2015)

Milena Büsch

*1980, lebt in Frankfurt und Berlin

Solo (u.a.): Felix Gaudlitz, Wien (2022, 2019), Paris Internationale (2021), Forgo, Berlin (2020), Geld, London (2019), Diana Lambert, Wien (2015); Shows (u.a.): Galerie der Stadt Schwaz (2021), Lars Friedrich, Berlin (2020), Éduard Montassut, Paris (2019), Freudenberger, Wien (2017), Nagel/​Draxler, Köln (2013)

Carolyn Lazard

*1987 Kalifornien, lebt in Philadelphia

Solo (u.a.): Walker Art Center, Minneapolis (2022), Kunstverein Braunschweig (2021), Essex Street, New York (2020), Shoot the Lobster, New York (2018); Shows (u.a.): 59. Biennale di Venezia, Venedig (2022), Museion, Bolzano (2022), Hamburger Bahnhof, Berlin (2021), MoMA PS1, Long Island, New York (2021), Museum für Moderne Kunst, Frankfurt (2021), KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2021), Bonner Kunstverein (2021), Palais de Tokyo, Paris (2020), Galerie Thomas Schulte, Berlin (2020), Institute of Contemporary Art, Philadelphia (2019), The Whitney Museum of American Art, New York (2019), Walker Art Center, Minneapolis (2019), LUX, London (2018), Kunsthal Aarhus (2018), New Museum, New York (2017)

Ghislaine Leung

*1980 Stockholm, lebt in London

Solo (u.a.): Essex Street, New York (2022, 2019), Caravan, Oslo (2022), Ivory Tars, Glasgow (2022), Ordet, Mailand (2021), Museum Abteiberg, Mönchengladbach (2021), Cabinet, London (2021), Netwerk, Aalst (2019, 2018, 2017), Künstlerhaus Stuttgart (2019), Chisenhale, London (2019), Reading International, Reading (2018), Cell Project Space, London (2017), Wiels, Brüssel (2016); Shows (u.a.): The Renaissance Society, Chicago (2022), mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (2022), Goldsmiths CCA, London (2022), CAPC, Bordeaux (2022), British Art Show 9, Plymouth, Manchester, Aberdeen (2021÷22), Museion, Bolzano (2021), Helmhaus Zürich (2021), Felix Gaudlitz, Wien (2021, 2019), Geneva Biennale, Genf (2020), KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2019), ICA Institute of Contemporary Arts, London (2019)

Lorenza Longhi

*1991 Lecco, lebt in Zürich

Solo (u.a.): Fanta, Mailand (2022, 2019, 2016), Ordet, Mailand (2022), Kunsthalle Zürich (2021), Weiss Falk, Basel (2021), Bungalow, Berlin (2020), La Plage, Paris (2019), Playmouth Rock, Zürich (2019); Shows (u.a.): Layr, Wien (2022), Swiss Art Awards, Messe Basel (2022), PART, Rimini (2022), Bonner Kunstverein (2022), MACRO, Museum of Contemporarty Art of Rome, Rom (2022), Kunstverein Bielefeld (2021), Fondazione Prada, Venedig (2021), Stadtgalerie, Bern (2021), Le Commun, Genf (2021), Deborah Schamoni, München (2021), 17.Quadriennale d’arte, Rom (2020), Grand Palais, Bern (2020), Hyphen, Mailand (2019), Kunst Halle St.Gallen (2019)

Vera Lutz

*1992 München, lebt in Berlin

Solo (u.a.): Felix Gaudlitz, Wien (2022, 2018), RICE, Leipzig (2021), Piper Keys, London (2019); Shows (u.a.): KOW, Berlin (2021), Sgomento Zurigo, Zürich (2020), Galerie Lars Friedrich, Berlin (2020), Kunstverein München (2019), Nous Moules, Wien (2019), Jan Kaps, Köln (2017), Taylor Macklin, Zürich (2017), Monnaie de Paris, Paris (2016), Instituto Svizzero, Rom (2016), Kunstverein Arnsberg (2015), Shanaynay, Paris (2015)

Studio For Propositional Cinema

*gegründet 2013 in Berlin

Solo (u.a.): Museum Abteiberg, Mönchengladbach (2022), Tanya Leighton, Berlin (2022, 2015, 2014), Galerie Max Mayer, Düsseldorf (2022), Fondazione Morra Greco, Neapel (2019), Kunsthalle Sankt Gallen (2018), Kestner Gesellschaft, Hannover (2017), Swiss Institute, New York (2017), Taylor Macklin, Zürich (2017), Bonner Kunstverein (2016), Kunsthaus Bregenz (2016), mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (2015); Shows (u.a.): Galeria Wschód, Warschau (2022), km Kunstverein München (2021), Material, Zürich (2021), Layr, Wien (2021), ML Fine Art, Mailand (2020), Akademie-Galerie, Kunstakademie Düsseldorf (2019), Projektsrom Normanns, Stavanger (2019), Bielefelder Kunstverein (2018), Museum Morsbroich, Leverkusen (2015), Leeschenhof, Quadriennale, Düsseldorf (2014)

Sung Tieu

*1987 Hai Duong, lebt in Berlin und London

Solo (u.a.): Mudam, Luxembourg (2022), Sfeir-Semler Gallery, Hamburg (2022, 2017), Kunstmuseum Bonn (2021), Stedelijk Museum Commission, Amsterdam (2021), Stiftung für Zeitgenössische Kunst Leipzig (2021), Emalin, London (2020), Nottingham Contemporary (2020), Haus der Kunst, München (2020), Fragile, Berlin (2019), The Yard & Flat Time House, London (2019), Nha San Collective, Hanoi (2017), FIAC Art Fair, Paris (2015); Shows (u.a.): Albertinum Dresden (2022), Astrup Fearnley Museum of Modern Art, Oslo (2022), Preis der Nationalgalerie, Hamburger Bahnhof, Berlin (2021), Kyiv Biennale, Kiew (2021), Taipei Fine Arts Museum (2021), 34. Bienal de São Paulo (2021), Kunsthalle Basel (2021), Layr, Wien (2021), Museum Angewandte Kunst, Frankfurt (2020), Kunsthaus Hamburg (2019), Royal Academy of Arts, London (2018), Kunstverein Nürnberg (2018)

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