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Kevin Jerome Everson:
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Eröffnung:

Ausstellung

Der Künstler Kevin Jerome Everson (*1965 Mansfield, lebt in Charlottsville) zählt zu den renommiertesten Experimentalfilmemachern unserer Zeit. Die unmittelbare Nähe zu den gefilmten Personen, die unterschiedlichen afroamerikanischen Lebens- und Arbeitswelten angehören, kennzeichnen das langjährige Schaffen des Künstlers. Die Einzelausstellung des Künstlers wird im großzügigen Erdgeschoss der HALLE FÜR KUNST Steiermark präsentiert und gibt einen Überblick ins langjährige Schaffen des Künstlers. 

Ansichten

Kevin Jerome Everson, Brown Thrasher, 2020

Video, Farbe, Ton, Black Box
2:46 min.

Courtesy der Künstler, trilobite-arts DAC, Picture Palace Pictures 

Text

Das Bild ist schwarz. Man hört einzig Vogelgezwitscher, und dann beginnt der Film. Die 16-mm-Kamera ist auf eine junge Frau gerichtet, die ein Fernglas in der Hand hält. Der Hintergrund ist unscharf, sodass die Blätter als verschwommene grüne Fläche erscheinen. Das Bild zittert und gibt die Handbewegungen der filmenden Person wieder. Knapp über zwei Minuten verfolgt die Kamera Frauen und Männer, wie sie Vögel beobachten. Doch das Objekt der Beobachtung, die in den zentralen und östlichen Regionen der USA lebende Rotrücken-Spottdrossel (zu Englisch Brown-thrasher), taucht nie auf.

Es sind solche beinahe banal erscheinende Momente, die den Künstler Kevin Jerome Everson (*1965 Mansfield, lebt in Charlottsville), einen der renommiertesten Experimentalfilmemacher unserer Zeit, faszinieren. Einer seiner bekanntesten Filme aus den letzten Jahren ist Tonsler Park (2017). In Schwarz-Weiß gedreht, filmte Everson am Wahltag der Bevölkerung für die US-Präsidentschaft 2016 vier Wahllokale in einem örtlichen Wahlbezirk von Charlottesville, Virginia. Im Zentrum der Handlung steht der demokratische Prozess, Wähler_​innen und Freiwillige in der afroamerikanischen Region rund um das Wahllokal im Tonsler Park. Der Film konzentriert sich auf die Ausdrücke und Handlungen einzelner Personen und widersetzt sich jeglicher objektiven Darstellung des bürokratischen Vorgangs. Anstatt einen konventionellen Realismus zu verfolgen abstrahiert Everson alltägliche Ausdrücke in theatrale Gesten und choreographiert poetische Kompositionen, die einer klassischen Erzählform widerstreben. Durch die ausschließliche Verwendung des 16-mm-Formats, das in digitalisierter Form wiedergegeben wird, ruft Everson die ursprüngliche Konzeption des Films, der als eine Erweiterung von Fotografie gedacht war, in Erinnerung. So erscheint es nicht überraschend, dass sich seine Praxis aus der sogenannten Street Photography entwickelte. Die unmittelbare Nähe zu den fotografierten Subjekten, die oftmals dieses Genre prägen, lässt sich auch in seinen Filmen nachspüren. 

Die großangelegte Einzelpräsentation stellt die erste institutionelle Schau des Künstlers in Österreich dar und wird sich über das komplette Erdgeschoss der HALLE FÜR KUNST Steiermark erstrecken. Der konzeptuelle Rahmen der Ausstellung ergibt sich aus der Konzentration auf bestimmte Sparten“, die sich in Everson’s Oeuvre erkennen lassen. So wird in der Zusammenführung von einer Anzahl von projizierten Filmen, die sich wie Brown thrasher mit der Beobachtung des Himmels beschäftigen, und Arbeiten, die die Lebensrealitäten und Geschichte von unterschiedlichen afroamerikanischen Gemeinschaften dokumentieren, ein Spannungsbogen innerhalb der Präsentation geschaffen. In dieser Gegenüberstellung wird auch das Medium Film selbst in den Mittelpunkt gestellt, das als Mittel der Kommunikation Realität abzubilden vermag. Die teilweise stummen, in Farbe oder auch Schwarz-Weiß gedrehten Arbeiten lassen manchmal mehr, manchmal weniger eine Narration bzw. Choreographie erkennen. Allen Filmen ist jedoch gleich, dass ihr Urheber konsequent keine Vorgaben zur Interpretation des zu Sehenden macht, sondern die Zuschauenden, ähnlich wie seine gefilmten Subjekte, auf die Suche nach ihren eigenen Motiven schickt.

Kuratiert von Cathrin Mayer

Künstler_innen

Teilnehmende Künstler_innen

Kevin Jerome Everson

*1965 Mansfield, lebt in Charlottsville

ist Professor für Kunst an der University of Virginia, Charlottesville. Er studierte an der Ohio Univesity und an der University of Akron. Seine Arbeiten wurden auf renommierten Filmfestivals wie der Berlinale, Berlin; dem New York Film Festival, New York; und dem Internationalen Filmfestival in Rotterdam, Rotterdam gezeigt. Everson hatte Einzelpräsentationen in renommierten Museen und Institutionen wie der Tate Modern, London; dem Museum of Contemporary Arts, Los Angeles; dem Centre Pompidou, Paris und dem Whitney Museum of American Art, New York.

Everson hat verschiedene Preise, wie den Alpert Award, und zahlreiche Fellowships wie das Guggenheim, NEA, NEH, Ohio Arts Council und das Virginia Museum of Fine Arts, den American Academy Rome Prize, sowie Stipendien des Wexner Center for the Arts, Creative Capital und des Mid-Atlantic, Residencies bei Mobile Frames / Media City Film Festival (Windsor/​Detroit), Hallwalls Contemporary Arts Center, Yaddo und MacDowell Colony sowie zahlreiche Universitätsstipendien erhalten.
 

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