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Katherine Bernhardt:
Neonfarbblendluminanzwuchtgemaeldenetzhautkollisionsgefahr
24.9.2026–10.1.2027

Eröffnung:

Ausstellung

Pressegespräch 23.9., 11 Uhr

Die erste institutionelle Ausstellung in Europa, die der US-amerikanischen Malerin Katherine Bernhardt gewidmet ist, präsentiert einen umfassenden Überblick über ihr jüngstes Werk. Mit ihren großformatigen, leuchtend farbigen Gemälden hat sich Bernhardt als eine der markantesten Stimmen der zeitgenössischen Malerei etabliert. Der Titel von Katherine Bernhardts Ausstellung, Neonfarbblendluminanzwuchtgemaeldenetzhautkollisionsgefahr, ist ein Wortgebilde bestehend aus dreiundsechzig Buchstaben, welche die einzelnen Elemente auf deutsch, die für das Ausstellungskonzept und den künstlerischen Ansatz wesentlich sind, zu einer einzelnen Einheit verbinden: Neon – Farbe – Blenden – Luminanz – Wucht – Gemälde – Netzhaut – Kollision – Gefahr. Gleichzeitig operiert der Titel als sprachliche Überforderungsgeste und als Verdichtung einer sensorischen Erfahrungslogik: Er beschreibt weniger, als dass er affiziert, und verweist auf eine Bildproduktion, die unmittelbar auf Wahrnehmung, Reizintensität und visuelle Überlagerung zielt. Die Aneinanderreihung der Begriffe erzeugt dabei eine Art semantischen Dauerstrom, der die Logik ihrer Malerei – geprägt von Überlagerung und Nachbarschaft von Zeichen wie von impulsiver Intensität und Gleichzeitigkeit – in eine radikal offene Sprache überführt.

Bernhardts Werk bewegt sich an der Schnittstelle von Pop Art, Neo-Expressionismus und postdigitaler Malerei. Sie greift die Strategien der Pop Art der 1960er-Jahre auf, wie sie von Künstlern wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Claes Oldenburg entwickelt wurden, und übersetzt deren Bildsprachen in eine subjektive und expressive zeitgenössische Form. Anders als die kalkulierte Distanz klassischer Pop Art zeichnen sich Bernhardts Gemälde durch gestische Unmittelbarkeit, Spontaneität und eine bewusst unperfekte Offenheit aus. Zugleich zeigen ihre Arbeiten Bezüge zum Neo-Expressionismus der 1980er-Jahre. Zugleich verweisen der eindringliche Einsatz von Farbe sowie die physische, sinnliche Präsenz ihrer Gemälde auf kunsthistorische Bezüge, die noch weiter zurückreichen – zu den raumbildenden Farbwelten Henri Matisses oder den Stillleben aus Giorgio Morandis konzentriertem Bildkosmos. Auch Bernhardt nutzt Alltagsgegenstände dabei nicht in erster Linie aufgrund ihrer symbolischen Bedeutung, sondern als Ausgangspunkt malerischer Erkundungen. Ihre Motive folgen den Dynamiken des Malakts selbst und nicht einem vorab festgelegten ikonografischen Programm. In ihren Gemälden nimmt Bernhardt zudem immer wieder Bezug auf das Werk zeitgenössischer Künstler:innen, die sie schätzt, wie etwa Alex Katz, Mary Heilmann, Laura Owens und Josh Smith.

Ansichten

Katherine Bernhardt, Polaris, 2025

Acryl- und Sprühfarbe auf Leinwand, 198,1 × 182,9 cm

© Katherine Bernhardt. Courtesy die Künstlerin, und David Zwirner, New York

Text

Bernhardts Bildwelten werden von global zirkulierenden visuellen Systemen geprägt: Comics, Cartoons, Werbung, Mode und digitale Medien treffen auf Motive aus dem Alltag und der Konsumkultur. Figuren wie Pink Panther, Garfield, Pac-Man oder jenen aus dem Pokémon-Universum begegnen Sneakers, Crocs, Zigaretten, Pilzen oder Toilettenpapierrollen. In scheinbar spontanen Konstellationen kombiniert die Künstlerin Motive, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, und schafft Bildräume, die zugleich humorvoll und irritierend wirken.

Direkt mit Sprayfarbe und Acryl auf Leinwand ausgeführt, verzichten Bernhardts Arbeiten auf Perspektive, Illusion und atmosphärische Tiefe. Stattdessen entfalten sie sich als offene Bildfelder, in denen Popästhetik, Konsumkultur und persönliche Assoziationen ineinandergreifen. Die wiederholte Verwendung bestimmter Figuren und Objekte erinnert zugleich an serielle Bildproduktion und Strategien der Appropriation Art. Dennoch unterläuft Bernhardt jedes starre System durch ihre intuitive und beinahe improvisierte Bildkomposition. Ihre Bilder entstehen in einem bemerkenswert schnellen und unmittelbaren Arbeitsprozess. In der Geschwindigkeit, mit der sie ihre Gemälde entwickelt, entstehen Verbindungen oft spontan und aus dem Material heraus. Dabei vertraut sie vor allem auf Entscheidungen, die sich aus dem malerischen Prozess ergeben, weniger aus einer theoretischen Überlegung.

Zwischen Ironie, Reizüberflutung und spielerischer Leichtigkeit erzeugen ihre Werke eine eigentümliche Ambivalenz: Vertraute Bilder kippen ins Surreale, während humorvolle Motive einen unterschwellig dunkleren Ton annehmen. Jedes Gemälde erscheint wie ein eigenständiger visueller Gedanke, der eine Kette freier Assoziationen auslöst.

Neonfarbblendluminanzwuchtgemaeldenetzhautkollisionsgefahr präsentiert eine kuratierte Auswahl von etwa vierzig zentralen Arbeiten der vergangenen Jahre und vermittelt durch einen eigens konzipierten Ausstellungsparcours Einblicke in Bernhardts unverwechselbare Bildsprache. Die Ausstellung bietet einen umfassenden Blick auf eine Künstlerin, deren Werk die expressive Freiheit der Malerei mit den visuellen Codes globaler Populärkultur verbindet.

Kuratiert von Sandro Droschl
Katalog in Vorbereitung

Künstler:innen

Teilnehmende Künstler:innen

Katherine Bernhardt

*1975 St. Louis, Missouri, lebt in St. Louis

Einzelausstellungen (Auswahl): Canada, New York (2026), David Zwirner, Los Angeles (2025), Gangneung Art Museum Sorol, Gangwon-do, South Korea (2025), Hangaram Art Museum, Seoul Arts Center, Seoul (2025), Nerman Museum of Contemporary Art, Overland Park, Kansas (2025, mit Jeremy Scott), David Zwirner, Hong Kong (2023), Canada, New York (2023), David Zwirner, London (2022), Diablo Rosso, Panama (2021), Canada, New York (2020), NANZUKA, Tokyo (2019), Xavier Hufkens, Brüssel (2019), Museo Mario Testino (MATE ), Lima (2018), Canada, New York (2018), Modern Art Museum of Fort Worth, Texas (2017), St. Louis Contemporary Art Museum, Missouri (2017), Karma, Amagansett, New York (2017), Xavier Hufkens, Brüssel (2016), Venus Over Los Angeles, Los Angeles, New York (2015), Carl Freedman Gallery, London (2015), Canada, New York (2008), Galerie Suzanne Tarasieve, Paris (2006), Gallery Lisa Ruyter, Wien (2004), Team Gallery, New York (2000).

Gruppenausstellungen (Auswahl): High Line Art, New York (2026), Hirshhorn Museum and Sculpture Park, Washington DC (2022), Carnegie Museum of Art, Pittsburgh (2021), The Drawing Center, New York (2020), Jewish Museum, New York (2020), The Brant Foundation, Greenwich, Connecticut (2017), Pratt Institute, New York (2017), National Museum of Women in the Arts, Washington (2017), Manifesta 11, Zürich (2016), Rubell Museum, Miami (2015).

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