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Give Rise To Colin Self
25.2.2022

Performance

Die HALLE FÜR KUNST Steiermark freut sich Colin Self (*1987 Aloha, USA, lebt in Berlin) als ersten Gast des internationalen Residency Formates vorzustellen. Im Zuge seines Aufenthalts bereitet er seine Performance in der Reihe Give Rise To vor. Self wird mit lokalen als auch internationalen Kollaborateur_​innen an seiner Recherche zur Geheimsprache Polari arbeiten und sich dabei auch der queeren Geschichte der Stadt widmen.

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Colin Self

Foto: Milena Braune 

Text

Die HALLE FÜR KUNST Steiermark freut sich eine neue in Auftrag gegebene Performance des US-amerikanischen Choreographen, Komponisten und Künstlers Colin Self (*1987 Aloha, USA, lebt in Berlin) zu präsentieren. Self ist auch der erste Gast des internationalen Residency Formats, das 2021 seinen Auftakt nimmt. Während eines zweimonatigen Aufenthaltes in Graz wird Self seine Recherche zu Polari, einer fast vergessenen Geheimsprache bzw. Ausdrucksform, vertiefen. Polari wurde vermehrt während der 1930er- und 1970er-Jahre, vorrangig in Großbritannien unter homosexuellen Zirkusleuten, Matrosen und damals auf Grund ihrer sexuellen Orientierung kriminalisierten Personen, verwendet. Die Ursprünge der Sprache lassen sich auf romanische Zweige des Italienischen zurückführen. Im Laufe der Zeit fanden auch Ausdrücke aus dem Jiddischen und Slangwörter aus dem damaligen Drogenmilieu Eingang in die Sprache. Ausgehend von seiner Recherche zu Polari, stellt Self im Hier und Jetzt die Frage wie Formen von Anti-Sprachen“, auch im Hinblick auf unsere digital überwachte Gegenwart funktionieren und klingen könnten.

Diese Fragestellung möchte Self mit der queeren Geschichte von Graz verbinden. In diesem Zusammenhang stellt die schillernde Figur der Vera de Vienne (alias Werner Obermayer) eine wichtige Referenz dar. Der gebürtige Grazer beginnt seine Karriere zunächst als Baletteleve am hiesigen Opernhaus und entwickelt mit seinem Partner über die Jahre, die sie zeitweise reisend durch Europa verbringen, verschiedene Varieté- und Revuecharaktere, die man unter heutigem Verständnis als Dragshows bezeichnen würde. So kommt es Anfang der 1960er-Jahre sogar zu einem Stripteaseauftritt in Sarajewo vor dem damaligen Präsidenten Tito. In den späten 1970er-Jahren eröffnet das Paar das legendäre Lokal Club Café Werner, in dem Vera de Vienne regelmäßig auftrat. Über die Jahre wurde sie eine wichtige Zeitzeugin der queeren Geschichte der Stadt und verfügt über einen reichen Fundus, der aus dokumentarischen Materialien als auch Kostümen besteht.

Im Austausch mit Vera de Vienne und anderen lokalen als auch internationalen Kollaborateur_​innen wird Self ein neues performatives Stück präsentieren, das auf einzigartige Weise diese vielschichtigen kulturellen Prägungen jener eigenständigen queeren Subkulturen aufnimmt, zusammenführt und neuinterpretiert.

Kuratiert von Cathrin Mayer

Künstler_innen

Teilnehmende Künstler_innen

Colin Self

*1987 Aloha, lebt in Berlin

ist Dozent am Clive Davis Institute der NYU in Berlin und hat seine Arbeiten unter anderem an der Niederländischen Nationaloper, Amsterdam; dem HAU Berlin, Berlin; dem Neuen Museum, Berlin, The Kitchen, New York; und dem Issue Project Room, New York präsentiert, sowie bei zahlreichen internationalen Festivals und Veranstaltungsorten. Er erhielt das Rhizome Commission Grant und ist Fellow des Queer Art Mentorship. 2016 war er Eyebeam Resident und 2018 Resident Fellow bei Etopia for FUGA in Zaragoza, Spanien. Er ist Mitbegründer des NYC Queer Performance Kollektivs Chez Deep und des Radical Diva Grant. Self erhielt seinen MFA in Musik und Sound vom Bard College, New York. Seit 2015 arbeitet Self eng mit Holly Herndon zusammen und tritt mit ihrem Tournee-Ensemble auf. Er leitet XOIR, einen internationalen nicht-utilitaristischen Gesangsworkshop, der sich auf alternative Modalitäten des Gruppengesangs konzentriert, und veröffentlicht Solomusik auf dem Plattenlabel RVNG Int.
 

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