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Give Rise To Armin Lorenz Gerold
Verstärkung (Amplification)
20.–21.8.2021

Performance

Mit Beiträgen von: Alice Cannava, Alejandro Alonso Díaz, Jennifer Hope Davy, Enver Hadzijaj, Cornelia Herfurtner, Sinaida Michalskaja, Miriam Stoney, Bruno Zhu
Florale Installation: Barbara Urbanic

Wie kann man Sound“ sichtbar machen? Diese Frage lässt sich kontinuierlich in der Praxis des Künstlers Armin Lorenz Gerold (*1981 Graz, lebt in Berlin) ausmachen. Für die von der HALLE FÜR KUNST Steiermark neu in Auftrag gegebene Performance und Installation Verstärkung (Amplification) (2021) schuf Gerold ein audiovisuelles System aus Skulpturen und Flachbildschirmen. Seine multidisziplinäre Praxis, die sich im Kern als eine Auseinandersetzung mit Fotografie und Sound definieren lässt, verwandelt klassische Ausstellungskontexte in akustische Landschaften. Gerold, dessen Formate immer auch Bezugspunkte zu Radio und Streaming herstellen, lässt das Publikum in einen meditativen Fluss von Sprache und Klängen eintauchen.

Ansichten

Give Rise To Armin Lorenz Gerold, 2021
Verstärkung (Amplification)

Kamera & Ton: kunst​-doku​men​ta​ti​on​.com; Schnitt: Kevin Ferdinandus

Armin Lorenz Gerold, Verstärkung (Amplification), 2021

Installationsansicht, Video und Sound, Keramik, Stahl, Blumen

Photo: kunst​-doku​men​ta​ti​on​.com

Armin Lorenz Gerold, Verstärkung (Amplification), 2021

Installationsansicht, Video und Sound, Keramik, Stahl, Blumen

Foto: kunst​-doku​men​ta​ti​on​.com

Armin Lorenz Gerold, Verstärkung (Amplification), 2021

Performance

Foto: kunst​-doku​men​ta​ti​on​.com

Armin Lorenz Gerold, Verstärkung (Amplification), 2021

Performance

Foto: kunst​-doku​men​ta​ti​on​.com

Armin Lorenz Gerold, Verstärkung (Amplification), 2021

Installationsansicht, Video und Sound, Keramik, Stahl, Blumen

Foto: kunst​-doku​men​ta​ti​on​.com

Armin Lorenz Gerold, Untitled, 2021

Production Still

Foto: Armin Lorenz Gerold 

Text

Verstärkung (Amplification) (2021) widmet sich – nach einem Jahr der physischen Isolation auf Grund der Covid-19-Pandemie und globalen, politischen Unruhen – der Art und Weise wie sich Kommunikation innerhalb von immer komplexer werdenden digitalen Systemen verändert. Der Titel der Arbeit markiert dabei einen der Ausgangspunkte für Gerolds Überlegungen, Elemente aus der Sound- und Musikproduktion als symbolische Äquivalente für politische Phänomene zu verwenden. Verstärkung (Amplification) (2021) bezieht sich so einerseits auf den elektronischen Prozess der Verstärkung eines Signals, andererseits beschreibt das Wort aus der Perspektive des Künstlers das Phänomen der Solidarisierung von unterschiedlichen politischen Gruppen und deren Proklamationen in der Öffentlichkeit. Im speziellen Rahmen der Arbeit bedeutet Verstärkung das Erzählen und Teilen von Erfahrungen der Ermutigung und Hilfeleistung.

Über den Raum verteilt positioniert Gerold Skulpturen, die aus Lautsprechern und deren Replikas aus Keramik bestehen. Die mittels eines 3D-Druckverfahrens angefertigten Tonobjekte haben an den jeweiligen Seiten Ausstülpungen, die wie kleine Kelche von den Objekten abstehen. Daraus ragen Blumen, die die ursprüngliche Form der Lautsprecher zu unverwechselbaren Vasen werden lassen. Inmitten dieser wirken die auf Metallstangen montierten Flatscreens wie Skulpturen überlebensgroß. Darauf zu sehen sind Videos, die Gerold und Künstler_​innen aus seinem Umfeld beim Vorlesen unterschiedlicher Texte zeigen. Durch den Einbezug dieser Kollaborateur_​innen verstärkt” Gerold unterschiedliche Stimmen, die aus und für verschiedene politische und soziale Kontexte sprechen.

Aus den im Ausstellungsraum positionierten Skulpturen strömen im Vorfeld aufgezeichnete Soundscapes. Dieser Begriff bezeichnet Geräusche der menschlichen Umwelt aus der Natur, Musik, Sprache oder auch jene, die bei verschiedenen Tätigkeiten wie industrieller Fertigung oder Arbeit erzeugt werden. Der Künstler legt aktuell ein persönliches Archiv von Soundscapes an, dabei interessieren ihn Klänge von marschierenden und demonstrierenden Körpern. Mit Hilfe von vorab fein gemischten Tonquellen produziert Gerold so Livesets, die in seine installativen Arbeiten intervenieren. Hier drückt sich das Interesse des Künstlers aus, durch Sound die Prinzipien von manipulativen Kommunikationstechniken, wie sie beispielsweise in der Sphäre der sozialen Medien angewandt werden, erfahrbar zu machen.

Unter anderem mischen sich Aufzeichnungen von Wassergeräuschen, die auf jeweils einem Ufer des Flusses Mur, der Graz durchquert, aufgenommen wurden. Durch den Einbezug dieser Geräusche verweist der Künstler auf die unmittelbare Umgebung der Stadt und deren geografische als auch demografische Einteilung: Beide Aufnahmen des Wasserklangs sind nicht voneinander zu unterscheiden und mögen es dahingestellt lassen, ob eine derartige Differenzierung der Stadtteile tatsächlich vorgenommen werden kann.

Hier wird Sound mit Politik durch ein Wertesystem in Verbindung gebracht, das auch an einer anderen Stelle auftaucht: die Keramikobjekte, die zugleich wie Lautsprecher als auch Vasen aussehen, wurden zu sogenannten Tulpieren, aus Keramik hergestellte Vasen, die statt einer Öffnung viele kleinere haben, sodass jede Blume einzeln zur Schau gestellt wird. Jene Objekte wurden in den Niederlanden während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entwickelt, zur Zeit der sogenannten Tulpenmanie“, in der Tulpen zum Spekulationsobjekt wurden und eine der ersten Finanzkrisen in Europa auslösten.

Inspiration liefert dem Künstler mitunter A Hacker Manifesto (2004), in dem die Medien- und Kulturtheoretikerin McKenzie Warck die zunehmende Kommodifizierung von Information im Zeitalter der Digitalisierung und Globalisierung kritisiert. Laut Warck hat sich durch die Entstehung des Internets das Wesen und die Idee, unter der man gemeinhin Eigentum versteht, grundlegend geändert. Besitz ist nicht mehr nur an Materie gebunden, sondern im Zeitalter des Filesharings auch an geistiges Eigentum.

In Verstärkung (Amplification) (2021) vereinen sich all diese parallel existierenden Bedeutungsebenen in der poetischen Praxis des Künstlers mit Sound, Sprache und Bild. So wird die Arbeit zu einem Resonanzkörper, der lokale wie globale, politische und ökonomische Mechanismen, die Einfluss auf unsere Körper und die Art wie wir kommunizieren nehmen, nicht nur darstellt, sondern jene in ihren Strukturen erfahrbar macht.

Kuratiert von Cathrin Mayer

Künstler_innen

Teilnehmende Künstler_innen

Armin Lorenz Gerold

*1981 Graz, lebt in Berlin

ist Künstler und Komponist.

Seine Arbeiten wurden bereits in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin; bei LambdaLambdaLambda, Prishtina; im fluent, Santander; mint, Stockholm; und der Göteborg Biennale für zeitgenössische Kunst (in Zusammenarbeit mit Doireann O‘ Malley) präsentiert. Im Frühjahr 2021 erscheint eine Hörspielinstallation, begleitet von einem Künstlerbuch, das im Rahmen des Ruisdael-Stipendiums, das der Künstler erhielt, veröffentlicht wird. 

Gerold gibt Popmusik unter seinem virtuellen Alter Ego wirefoxterrier heraus, die auf dem Soundtrack des LGBT-Teenie-Dramas SKAM Italia zu hören ist. Die Debüt-EP Radio Pristina ist im Jahr 2020 erschienen.
 

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