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Domestic Drama
Larry Achiampong, Ayo Akingbade, Aram Bartholl, Camille Blatrix, Oscar Enberg, Vera Frenkel, Nigel Gavus & İlkin Beste Çırak, Antony Gormley, Mona Hatoum, Kaarel Kurismaa, Nicola L., Bertrand Lavier, Olu Ogunnaike, Laura Põld, Bruno Zhu
4.12.2021–20.2.2022

Eröffnung:

Ausstellung

Die anhaltende globale Krise, ausgelöst durch die Corona Pandemie, stellt bis zum heutigen Tage das alltägliche Leben wie Wohnen und Arbeiten auf den Prüfstand. Domestic Drama, eine für die HALLE FÜR KUNST Steiermark konzipierte Gruppenausstellung, rückt das Interieur, also die Architektur des Wohnens und die darin oftmals beiläufig existierenden Objekte, ins Zentrum der Aufmerksamkeit und entwirft eine spezifische Erzählung über das momentan auf den Prüfstand gestellte Zuhause.

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Nicola L., Red Lip Lamp, 1969

Plexiglas, Stahl
129,5 × 17,1 × 7,6 cm

Courtesy Alison Jacques, London und Nicola L. Collection and Archive

Text

But can there be a story of the interior itself, or the mechanisms by which space is constructed as interior?”
(Beatriz Colomina)

Die anhaltende globale Krise, ausgelöst durch die Corona Pandemie, stellt bis zum heutigen Tage Konstanten des alltäglichen Lebens wie Wohnen und Arbeiten auf den Prüfstand. Das Zuhause wandelt sich vom Rückzugsort zur permanenten Produktionsstätte, in der u.a. die Grenzen zwischen Lohn- und Pflegearbeit verschwinden und die Konflikte, die vormals im Außen stattfanden, im Inneren der Privatsphäre ausgetragen werden. Schon längst noch vor der oben beschriebenen Krise war das Zuhause eine umkämpfte Bastion, in der viele kulturimmanente Konflikte, wie beispielsweise Geschlechterfragen, zutage traten. Domestic Drama, eine für die HALLE FÜR KUNST Steiermark konzipierte Gruppenausstellung, in der Werke verschiedener Generationen von Künstler_​innen präsentiert werden, entwirft eine spezifische Narration über jenes zunehmend relevante Bild des Zuhauses und rückt das Interieur, also die Architektur des Wohnens und die darin oftmals beiläufig existierenden Objekte, ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Die Ausstellung setzt sich aus Neuproduktionen, ortsspezifischen Arbeiten und schon bestehenden Werken, die im Bereich Skulptur angesiedelt sind und die große Halle des Gebäudes in ein bühnenhaftes Setting verwandeln, zusammen. Der Ausdruck Domestic Drama, der der Ausstellung ihren Titel leiht, wurde von der Architekturtheoretikerin Beatriz Colomina erstmals in dem 1992 publizierten Essay The Split Wall: Domestic Voyeurism verwendet. In jenem widmet sich Colomina architektonischen Konzepten des Wohnraums, die in ihrer Gestaltung bühnenähnliche Situationen entstehen und gleichermaßen die sich darin befindenden Subjekte wie Objekte zu Protagonist_​innen eines häuslichen Dramas” werden lassen. In Bezug auf die Ausstellung ist vor allem die im Begriff Interieur mitschwingende psychologische Dimension interessant, da das Innenleben eines Hauses oft als Sinnbild der darin wohnenden Charaktere wahrgenommen wird. So hält das Nachdenken über den Begriff Interieur die Chance parat über ökonomische, soziale wie ideologische Mechanismen, die unsere Privatsphäre prägen, nachzudenken. Als Anhaltspunkte spielen hier nicht nur die Überlegungen von Beatriz Colomina eine wichtige Rolle, sondern zudem die Theorien der feministischen Wissenschaftlerin und Theoretikerin Sara Ahmed, die u.a. den Diskurs um den sogenannten Affective Turn”, der sich mit Emotionalität aus einer kultur- und gendertheoretischen Perspektive auseinandersetzt, maßgeblich geprägt hat.

Innerhalb eines umfassenden Rahmen- und Vermittlungsprogramms wird durch ephemere Formate wie Diskussionen, Filmscreenings, Lesungen und Performances eine Kontextualisierung und eine Erweiterung der unterschiedlichen Themenschwerpunkte der Ausstellung stattfinden. Hier soll das Zuhause in einen größeren, politischen Kontext gesetzt und unter anderem über den brisant diskutierten Begriff der Heimat nachgedacht werden. Das über die aktuelle Situation hinausreichend relevante Ausstellungsprojekt Domestic Drama wird publizistisch in Form eines Readers aus Text- und Bildmaterial begleitet.

Kuratiert von Cathrin Mayer

Künstler_innen

Teilnehmende Künstler_innen

Larry Achiampong

*1984 London, lebt und arbeitet in Essex

bedient sich unterschiedlicher Ausdrucksmöglichkeiten, wie bewegter Bilder, skulpturaler Installationen, fotografisch-gemalter Collagen, Tondokumenten und Kompositionen. Seine repetitiven Inhalte erforschen oft postkoloniale Themen.

Ausstellungen, Performances und Projekte wurden unter anderem gezeigt bzw. fanden in folgenden Institutionen statt: Tate Britain/​Tate Modern, London, The Institute For Creative Arts, Kapstadt, The British Film Institute, London, Kunsthal Charlottenborg, Kopenhagen, 57. Biennale Venedig, Venedig.

Ayo Akingbade

*1994 London, lebt in London

beschäftigt sich als Künstlerin, Schriftstellerin und Regisseurin vornehmlich mit bewegten Bildern und setzt sich mit Begriffen wie Macht, Urbanität und Haltung auseinander. Ihr Interesse liegt darin, was Filme an Gefühlen auslösen können, wie er in einem Moment innehalten lässt, statt von einem Standpunkt zu überzeugen.

Filmvorführungen und Ausstellungen hatte sie in der Whitechapel Gallery, London, dem Film Society of Lincoln Center, New York City, im MoMA Doc Fortnight, New York City oder dem International Short Film Festival Oberhausen, Oberhausen.

Aram Bartholl

*1972 Bremen, lebt und arbeitet in Berlin

weist mit seinen skulpturalen Interventionen und Installationen auf Themen wie Überwachung, Datensicherheit oder Abhängigkeit der Technik hin, das in Zusammenhang mit unserem gegenwärtigen Medienverhalten, den sozialen Netzwerken und Online-Plattformen steht.

Der Künstler hält zahlreiche Vorträge und Workshops. Seine Ausstellungen erstrecken sich vom MoMA (Museum of Modern Art), Palais de Tokyo, Hamburger Bahnhof, Seoul Museum of Art, der Thailand Biennale, der Venedig Biennale, bis zum ZKM in Karlsruhe.

Camille Blatrix

*1984 Paris, lebt in Paris

fertigt Skulpturen, die sich als Artefakte aus einer nahen Zukunft präsentieren, die die Formen von Alltagsgegenständen nachahmen, während sie ihren eigenen Zweck verschleiern.

Blatrixs Arbeiten werden in der kommenden Einzelausstellung im Centre d’art contemporain la synagogue de Delme gezeigt (2021). Seine Arbeiten waren kürzlich in Einzelausstellungen in der Kunsthalle Basel, Basel; Galerie Balice Hertling, Paris; CCA Wattis, San Francisco und Mostyn Museum, Wales zu sehen. Er war in Gruppenausstellungen im Kunstmuseum St. Gallen, St. Gallen; Fri Art Kunsthalle, Fribourg; Furosia, Monaco; Villa Medici, Rom; Fondation Lafayette, Paris; Hessel Museum of Art, den CCS Bard Galleries, Annandale-on-Hudson, und MRAC, Serigan vertreten. Blatrix nahm 2015 an der Lyon Biennale, Lyon teil.
 

Oscar Enberg

*1988 Christchurch, lebt in Berlin

arbeitet hauptsächlich skulptural. Seine Arbeiten vereinen verschiedene Formen und Materialien, und beziehen sich auf Film, Literatur, Kunst und Gesellschaft.

Jüngste Einzelausstellungen waren u.a. im Stadium, Berlin; St. Joseph, Künstlerhaus Bethanien, Berlin; Hopkinson Mossman, Auckland; The Agamemnon, Frankfurt am Main; und die Sculpture Terrace, Auckland Art Gallery Toi o Tamaki; Artspace, Auckland zu sehen. 2017 hatte Enberg eine Präsentation auf der Art Basel Statements und wurde mit dem deutschen ars viva 2018 Preis ausgezeichnet, was Ausstellungen im Kunstverein München und S.M.A.K in Gent, Belgien, einschloss. Derzeit ist er Stipendiat der Creative New Zealand Visual Arts Residency im Künstlerhaus Bethanien in Berlin.
 

Vera Frenkel

*1938 Bratislava, lebt und arbeitet in Toronto

Nach anfänglicher Beschäftigung mit Drucken, Zeichnungen, Collagen und geschriebenen Texten, wendet sich Frenkel in den späten 1970er-Jahren der Videokunst zu. Ihre Installationen, Videos und Essays sind reflektierte, transdisziplinäre Arbeiten und thematisieren Migration, kulturelle Erinnerung und die zunehmende Bürokratisierung von Erinnerungen in einer subtilen Weise und dennoch mit einem eindeutigen Fingerzeig.

Ihre Arbeiten wurden unter anderem auf der documenta IX in Kassel, dem MoMA (Museum of Modern Art), New York, dem Setagaya Art Museum in Tokyo oder der Biennale in Venedig gezeigt.

Nigel Gavus & İlkin Beste Çırak

*1992 Graz, lebt in Wien und Graz / *1994 Izmir, lebt in Wien

Nigel Gavus ist als Filmemacher und bildender Künstler tätig. Er absolvierte die Schule Friedl Kubelka für unabhängigen Film und studiert derzeit an der Akademie der bildenden Künste Wien. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit Zeit, Erinnerung, Identität und der Beziehung zwischen Poesie und Kino. Er lebt und arbeitet in Wien und Graz.

İlkin Beste Çırak ist als bildende Künstlerin und Poetin tätig. Sie ist Absolventin der Universität für angewandte Kunst (Social Design) und studiert derzeit Bildhauerei & Raumstrategien an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ausgehend von öffentlichen Räumen als Kern des Zusammenlebens beschäftigt sie sich mit Lokalitäten, Identität, Kulturproduktion und Partizipation. Sie lebt und arbeitet in Graz und Wien.

Antony Gormley

*1950 London, lebt in London

studierte zunächst Archäologie, Anthropologie und Kunstgeschichte und ist heute bekannt für seine Skulpturen, Installationen und öffentlichen Kunstwerke, die das Verhältnis des menschlichen Körpers zum Raum zum Gegenstand haben. In einer kritischen Auseinandersetzung sowohl mit dem eigenen, als auch dem Körper anderer Menschen, stellt er sich in seinen Werken grundlegenden Fragen nach der Stellung des Menschen im Verhältnis zu Natur und Kosmos. Seine Intention begreift den Raum der Kunst al seinen Ort des Werdens, des Entstehens, in dem neue Verhaltensweisen, Gedanken und Gefühle aufkeimen.
In Österreich begeisterte er 2010 – 2012 durch sein Horizon Field“ genanntes Projekt, in dem er 100 Eisenfiguren aus massivem Gusseisen über 8 Standorte und über ein Gebiet von 150 km2, von Mellau bis Dalaas (Vorarlberg), im Alpenraum verteilte.

Gormley wurde 1994 mit dem Turner-Preis ausgezeichnet und seit dem Schlag zum Ritter 2014 darf er den Titel Sir“ führen.
Seine zahlreichen Ausstellungen erstrecken sich von der National Gallery, Singapur, dem Schauwerk Sindelfingen, Sindelfingen, dem Kunsthaus Bregenz, der Hayward Gallery, London bis zur Malmö Konsthall, Schweden.

Mona Hatoum

*1952 Beirut, lebt in London

In ihrem poetischen und radikalen Werk erforscht die palästinensisch-britische Künstlerin Themen wie Heimat und Vertreibung, Geschlecht und Unterschiede und legt die Widersprüche und Konflikte unserer heutigen Welt offen. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen die Tate Modern, London; das Kiasma Museum of Contemporary Art, Helsinki; und Mathaf: Arab Museum of Modern Art; Doha.

Sie war Teil der documenta 14, Kassel; weitere ausgewählte Gruppenausstellungen fanden im Martin-Gropius-Bau, Berlin; MoMA, New York; Israel Museum, Jerusalem; Wexner Center for the Arts, Columbus, u.a. statt.

Kaarel Kurismaa

*1939 Pärnu, lebt in Tallinn

Kaarel Kurismaa (*1939 Pärnu, lebt in Tallinn) ist ein multidisziplinärer Künstler aus Estland, der in den Bereichen Klangkunst und Soundinstallation, kinetische Kunst, Skulptur, Malerei und Design arbeitet. Seine Arbeiten wurden in Einzelausstellungen im Tartu Art House, Tartu; im Kunstmuseum Kumu, Tallinn; im Retretti Kunsmuseum, Punkaharju, Finnland; und in der Temnikova & Kasela Galerie, Tallinn; gezeigt. Gruppenausstellungen fanden unter anderen in der Garage, Museum für zeitgenössische Kunst, Moskau; der Akademie der Künste, Berlin; im Zimmerli Art Museum, New Jersey; und in der SALT Galata Galerie, Istanbul; statt. 

Nicola L.

*1932 Marokko, †2018 in Los Angeles

entwickelte eine multidisziplinäre Praxis, welche die Prinzipien von Kunst und Design spielerisch miteinander verbindet.

Ihre Arbeit wird in der kommenden Einzelausstellung in der Alison Jacques Gallery, London, zu sehen sein (2021); Einzelausstellungen hatte Nicola L. kürzlich u. a. im Sculpture Center, New York, im Elga Wimmer PCC, New York, und auf der Liverpool Biennale, Liverpool.

In Gruppenausstellungen war sie u.a. im Hammer Museum und The Huntington Library, Art Museum and Botanical Gardens, Los Angeles; Musée d’Art Moderne et Contemporain (MAMAC), Nizza; Friedman Benda, New York; Elga Wimmer PCC, New York; Arsenal Contemporary, New York; Palazzo Pisani, Piano Nobile, Biennale Venedig, Venedig; Hauser & Wirth, New York; Tate Modern, London; Beaux-arts Buxerolles, Buxerolles, Frankreich; und SECCA (Southeastern Center for Contemporary Art), Winston-Salem, North Carolina vertreten.
 

Bertrand Lavier

*1949 Châtillon-sur-Seine, lebt und arbeitet in Aignay-le-Duc und Paris

unterbricht mit seinen visuell ansprechenden Werken unsere tradierten Sehgewohnheiten und stellt dabei unseren Intellekt in Frage, aber immer mit einem sensiblen Augenzwinkern. Internationale Bekanntheit erlangte er durch Bemalungen von Bildern und Objekten, vor allem aber durch seine Superpositions“, das Aufeinanderstellen von zwei verschiedenen Gegenständen aus der Warenwelt, die in einem absurden Zusammenhang stehen.

Lavier hatte Ausstellungen im Centre Georges Pompidou, Paris, ZKM, Karlsruhe, Haus der Kunst, München, in der Schirn-Kunsthalle, Frankfurt, auf der Biennale di Venezia, Venedig, documenta 7 und documenta 8, Kassel und auf der 18. Biennale von São Paulo, São Paulo.

Olu Ogunnaike

*1986 London, lebt in London

ist ein Künstler, dessen experimentelle Praxis in den Feldern Skulptur, Zeichnung, Performance und Installation angesiedelt ist.

Ogunnaike stellt derzeit im Cell Space, London, aus (2021). Jüngste Projekte fanden in der Villa Lontana, Rom; und in der Tate Modern, London als Teil von ELC TV Dinner Episode III, im Jupiter Woods, London; und bei Greatorex, London mit ausgewählten Gruppenausstellungen u.a. im Espace Arlaud, Lausanne; Sophie Tappeiner, Wien; Doc, Paris und PS120, Berlin statt. Ogunnaike nahm 2018 am Residency-Programm des Wysing Arts Centre in Cambridge und 2017 an der South London Gallery teil.
 

Laura Põld

*1984 Tallinn, lebt in Tallinn und Wien

ist eine interdisziplinäre Künstlerin aus Estland, die mit einer Reihe von Preisen und Stipendien ausgezeichnet wurde, wie z.B. dem Eduard-Wiiralt-Stipendium, dem Ado-Vabbe-Stipendium, dem Jahrespreis der Cultural Endowment of Estonia, dem Köler Prize grand prix und dem grand prize of The Cultural Endowment of Estonia.

Kürzlich stellte sie im Kunstraum Memphis, Linz; Vienna Art Week Open Studios Programm, Wien; Galerie Vaal, Tallinn; ARS Showroom, Tallinn; Tartu Art House, Tartu; Galerie Hobusepea, Tallinn; Kunda Cement Museum, Kunda; Atelierhaus Höherweg e. V., Düsseldorf; Galerie Maebashi Works, Japan; Christianshavn, Kopenhagen; Tartu Art Museum, Tartu; und die Galerie Chemin du Bonheur, Hokuto-shi, Yamanashi aus.
 

Bruno Zhu

*1991, Porto, lebt in Amsterdam und Viseu (PRT)

Zu seinen jüngsten Projekten gehören Präsentationen in der Fri Art Kunsthalle in Freiburg, UKS in Oslo, Frans Hals Museum in Haarlem, Antenna Space in Shanghai und in der Kunsthalle Lissabon. Zhu ist Mitglied von A Maior, einem kuratorischen Programm, das in einem Einrichtungs- und Bekleidungsgeschäft in Viseu, Portugal, stattfindet.

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