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Changes #0
Wolfgang Bauer, Bernd Fischerauer: Change (1974/75)
10.9.2026

Film-Projektion

18 Uhr

Mit Changes beginnt die HALLE FÜR KUNST Steiermark eine neue Reihe, die das Ausstellungsprogramm um temporäre situative Formate erweitert. Anders als klassische Ausstellungen reagieren die einzelnen Projekte auf spezifische Situationen, Orte oder Fragestellungen und entwickeln jeweils eine eigene Form der Präsentation. Changes versteht die Ausstellung dabei nicht als feststehendes Format, sondern als etwas, das sich mit jeder künstlerischen Position und ihren jeweiligen Bedingungen neu bestimmt. Die Reihe schafft Raum für Projekte im Ausstellungsraum ebenso wie im öffentlichen Raum, im unmittelbaren Umfeld der Kunsthalle oder in digitalen Kontexten und eröffnet damit alternative Formen der Begegnung mit zeitgenössischer Kunst.

Im Mittelpunkt stehen Künstler:innen mit Bezug zur Steiermark. Veränderung bedeutet dabei immer auch Verschiebung: Während neue Positionen in den Fokus rücken, geraten andere aus dem Blick oder verschwinden aus dem institutionellen Gedächtnis. Changes versteht diesen Prozess nicht als Defizit, sondern als Ausgangspunkt kuratorischer Arbeit und schafft Raum für Wiederentdeckungen, unerwartete Verbindungen und künstlerische Positionen, die sich den etablierten Erzählungen der Gegenwart entziehen. Die Reihe Changes ist als Hommage und Auseinandersetzung mit der legendären GRAZ-KUNST zu sehen und erinnert nicht zufällig an eine ihrer bekanntesten Persönlichkeiten, Wolfgang Bauer. 

Ansichten

Wolfgang Bauer, Bernd Fischerauer, Change, 1974/75

nach einem gleichnamigen Theaterstück von Wolfgang Bauer
96 Min.

LISA Film

Text

Den Auftakt der Reihe bildet Changes #0 mit einer Film-Projektion von Wolfgang Bauers Change, dessen Titel der Reihe zugleich ihren Namen gibt. Gezeigt wird eine eigens erarbeitete filmische Version von Change aus 1974/75 des gleichnamigen berühmten Schauspiels von 1969, dessen Drehbuch Bauer gemeinsam mit Regisseur Bernd Fischerauer verfasste. Wolfgang Bauer (1941 – 2005) zählt zu den prägenden Stimmen der österreichischen Nachkriegsliteratur und gilt als eine der zentralen Figuren der Grazer Avantgarde. Mit seinen Theaterstücken, Prosatexten und Filmen prägte er das kulturelle Selbstverständnis einer Generation von Künstler:innen und Autor:innen, deren experimentelle Praxis weit über Graz hinaus ausstrahlte. Seine Arbeiten verbinden sprachliche Radikalität, schwarzen Humor und groteske Überzeichnung mit einer präzisen Beobachtung gesellschaftlicher und kultureller Mechanismen.

Im Mittelpunkt des Stücks und des darauf aufbauenden Films steht der Künstler Fery, der den Kunstbetrieb mit seinen eigenen Mitteln bloßstellen will. Gemeinsam mit dem Provinzmaler Blasius Okopenko inszeniert er dessen kometenhaften Aufstieg zum gefeierten Künstler, um anschließend die Mechanismen von Ruhm, Anerkennung und Authentizität offenzulegen. Doch das Experiment verselbständigt sich zunehmend und kehrt sich schließlich gegen seinen Urheber.

Zwischen Theater, Film und Happening entwickelt Bauer eine episodische Dramaturgie, in der absurde Situationen, improvisiert wirkende Dialoge und groteske Überzeichnungen aufeinandertreffen. Mit Humor und satirischer Schärfe hinterfragt Change den Kunstbetrieb ebenso wie das Selbstverständnis seiner Akteur:innen und formuliert Fragen nach Autorschaft, Originalität und den Bedingungen künstlerischer Anerkennung. Das Stück zählt zu den prägenden Werken der Grazer Avantgarde und markiert einen wichtigen Bezugspunkt jener künstlerischen Haltung, aus der sich der Begriff der GRAZ-KUNST etablieren konnte.

Die Film-Projektion versteht sich nicht als nostalgischer Rückblick, sondern als programmatischer Auftakt der Reihe. Mit Wolfgang Bauers Change nimmt Changes seinen Ausgangspunkt bei einem Werk, das Veränderung nicht als Selbstzweck, sondern als künstlerische Haltung begreift. Die Nummer #0 bezeichnet deshalb bewusst keinen eigentlichen Beginn, sondern einen Referenzpunkt, von dem aus sich die Reihe entwickelt. Dass Changes mit Bauers Film einsetzt, versteht sich zugleich als Hommage an eine künstlerische Tradition in Graz, die sich durch Experimentierfreude, Eigenständigkeit und institutionelle Offenheit auszeichnet. Die Reihe knüpft an dieses Erbe nicht in Form einer Rückschau an, sondern als Ausgangspunkt für die Frage, wie Kunst und ihre Präsentationsformen heute auf veränderte Bedingungen reagieren können.

Zur Einführung spricht der Schriftsteller, Kulturwissenschaftler und Bauer-Experte Thomas Antonic. Er stellt Wolfgang Bauers künstlerisches Schaffen und den Film Change (1974÷75) vor, ordnet die Arbeit in Bauers künstlerische Entwicklung ein und gibt Einblicke in ihre Entstehung und ihren kultur- und zeitgeschichtlichen Kontext. Dabei geht er auch auf Bauers eigenwilligen Zugang zum Medium Film und die besondere Stellung von Change innerhalb seines vielfältigen literarischen und künstlerischen Œuvres ein.

Künstler:innen

Teilnehmende Künstler:innen

Wolfgang Bauer

(*1941, Graz, † 2005, Graz)

war ein österreichischer Schriftsteller.

Sammelbände (Auswahl): Der Rüssel. Szenische Texte aus dem Nachlass. Hrsg. von Thomas Antonic, Ritter Literatur, Klagenfurt/​Wien/​Graz (2015), Ein schlimmes Kind bin ich. Dramen, Prosa, Lyrik aus vier Jahrzehnten. Hrsg. von Gerhard Melzer und Andreas Unterweger, Sonderzahl Verlag, Wien 2007, Band 1: Einakter und frühe Dramen. Droschl, Graz/​Wien (1987), Band 2: Schauspiele 1967 – 1973. Droschl, Graz/​Wien (1986), Band 3: Schauspiele 1975 – 1986. Droschl, Graz/​Wien (1986), Band 4: Der Fieberkopf: Ein Roman in Briefen. Droschl, Graz/​Wien (1986), Band 5: Gedichte. Droschl, Graz/​Wien (1992), Band 6: Kurzprosa, Essays und Kritiken. Droschl, Graz/​Wien (1989), Band 7: Filme und Fernsehspiele. Droschl, Graz/​Wien (1995), Band 8: Schauspiele 1988 – 1995. Droschl, Graz/​Wien (1996), Band 9: Foyer und andere Stücke. Droschl, Graz/​Wien (2004).

Theaterstücke (Auswahl): Die Kantine. Capriccio à la Habsburg., Schauspielhaus, Graz (1993), Ein schrecklicher Traum, Literaturhaus Berlin (1986), Foyer, Theater, Helmut List-Halle Graz (1980), Memory Hotel, Schauspielhaus Graz, (1980), Silvester oder Das Massaker im Hotel Sacher, Volkstheater Wien (1977), Film und Frau, Deutsches Schauspielhaus Hamburg (1971), Magic Afternoon, Landestheater Hannover (1968), Change, Volkstheater Wien (1969).

Drehbücher (Auswahl): Der Weihnachtstraum, Drehbuch (1994), 22, schwarz…, Drehbuch (1987), In Zeiten wie diesen, Siebenteilige Fernsehserie (1983), Reise zum Gehirn, Verfilmung vom Roman Der Fieberkopf, ORF (1975), Change, Drehbuch gemeinsam mit Bernd Firscherauer, (1975).

Bernd Fischerauer

*1943 Graz, † 2017 München

war ein österreichischer Regisseur, Schauspieler und Autor.

Regiearbeiten (Auswahl): Frei, Fernsehfilm (2013), Mozart – ich hätte München Ehre gemacht, Fernsehfilm (2006), Apollonia, Fernsehfilm (2005), Zwei Asse und ein König, Miniserie (2000), Liebe und weitere Katastrophen, Miniserie (1999), Ärzte, Fernsehserie (1994 – 1996), Der Salzbaron, Miniserie (1993), Ein Fall für zwei, Fernsehserie (1984 – 1991), Die Wiesingers, Fernsehserie (1984 – 1989), Blut und Ehre – Jugend unter Hitler, Miniserie (1982), Der Aufsteiger, Fernsehfilm (1981), Change, Spielfilm (1975).

Schauspiel (Auswahl): Die nervöse Großmacht, als Dr. Otto von Bismarck (2012), Europas letzter Sommer, als Kaiser Franz Joseph 1. von Österreich-Ungarn (2012), Der Gewaltfrieden, als Staatssekretär Paul von Hintze (2010), Der Stellvertreter, als Bischof von Galen (2002), Vera Brühne, als Dr. Vogt (2001), Der Salzbaron, als Oberst Zeilinger (1993), Tatort: Wer zweimal stirbt, als Dr. Heider (1991), Blut und Ehre – Jugend unter Hitler, als Dr. Zeissler (1982), Blauer Himmel den ich nur ahne, als Eduard Thöny (1979).

Romane: Burli, Picus-Verlag (2017), Neumann, Picus-Verlag (2017).

Thomas Antonic Dr. phil.

*1980, Buck an der Mur, lebt in Wien und Point Arena, Nordkalifornien

ist Autor, Musiker, Filmemacher und promovierter Literaturwissenschaftler, leitete an der Univ. Wien das Forschungsprojekt Wolfgang Bauer – Leben, Werk, Nachlass, Wirkung“ (2008 – 2015), aus dem mehrere Publikationen hervorgingen, unter anderem eine 600-seitige Biografie Bauers.

Post-Doc Studien an der Stanford University und der University of California in Berkeley, seit 2025 Leiter des Editionsprojekts einer kritischen Gesamtausgabe der Werke ruth weiss’ an der Donau-Universität Krems. Zahlreiche Auszeichnungen und Publikationen. Zuletzt: The Three Wives of Queer William S. Burroughs (Beatdom Books, 2026). 

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