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Anita Leisz:
Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst 2020
25.6.–4.9.2022

Ausstellung

Die visuelle Sprache von Anita Leisz‘ Skulpturen, Objekten und Installationen changiert zwischen Anklängen aus der Minimal Art, der gegenstandslosen Malerei und des Industrialismus. Leisz setzt auf eher zurückhaltende Materialien, kalte Farben und Formen. Baumaterialien wie verschiedene Formen von Faserplatten, Metalle oder Bleche werden in mehreren Schritten aufbereitet und in Bezug zu Räumen und Betrachter*innen gebracht. Durch die spezifische Bearbeitung und Formung der industriellen Materialien erzielt sie erstaunliche Ergebnisse, die in ihrer Prägnanz und Sensibilität für die hohe Qualität ihrer Arbeit steht, und nebenbei Fragen nach einer aktuellen Kunstproduktion und ihrer Rezeption aufwirft.

Ansichten

Anita Leisz, Untitled, 2017

Gipsfaserplatte, Holz, Wachs

Foto: Sebastiano Pellion di Persano

Text

Anita Leisz entwickelt ihre Ausstellungen immer mit einem konkreten Bezug zum jeweiligen Ausstellungsraum bzw. mit einem bestimmten Anliegen in diesen einzugreifen. Sie verknüpft ihre künstlerischen Werke fortlaufend mit den Orten ihrer Präsentationen: Die Ausstellungen der Künstlerin sind installative Inszenierungen, die das Außen und Innen des Raumes mit und durch die Kunst untrennbar miteinander verknoten. Objekt und Raum weisen sich gegenseitig und im Zusammenspiel auf diese Art Bedeutung zu. Leisz verwehrt sich mit dieser Strategie der Aneignung einer genormten und einheitlichen Rezeption.

Anita Leisz schafft für ihr Publikum immer wieder punktgenaue und unmittelbare Setzungen von sich mit dem Raum differenzierenden Optionen, und macht genau diese Wandelbarkeit zum Signifikant ihrer Praxis. Dieser Programmatik entsprechend wird sich die Künstlerin im Rahmen ihrer Personale dem Ausstellungsraum mit einer präzisen Bespielung nähern. Mit diesen bewussten künstlerischen Setzungen fordert Leisz die Wahrnehmung heraus und provoziert eine Hinterfragung von Sichtbar- und Unsichtbarkeit. Dabei verzichtet sie bewusst gänzlich auf narrative Verweise und lenkt die Aufmerksamkeit ganz auf das Verhältnis zwischen Objekt, Raum und Rezipient*in.

Die Materialien, die die Künstlerin dafür verwendet hat, entstammen zumeist aus ihrem Atelier oder aus handwerklichen Betrieben mit welchen sie gemeinsam arbeitet. Diese Art des Recyclings und szenografischer Weiterverarbeitung ist eine weitere Ebene in der Begegnung der Künstlerin und der institutionellen Infrastruktur, in der jedoch eine gewisse Art von Pragmatismus liegt, um beispielsweise den teureren Metallpreisen zu begegnen.

Die Arbeiten sind nicht in einem dogmatischen Sinne in situ und verlieren ihren Status als Kunstwerk nicht, wenn sie vom Ort ihres ersten Ausstellens oder ihrer Produktion entfernt werden, wie man langläufig Konzeptkunst oder Minimal Art kennt. Sie entwickeln sich vielmehr im Spannungsverhältnis zwischen in situ und ex situ. In jeder Arbeit und Setzung liegt ein wichtiger Ausgangs- und Angelpunkt, aus dem sich viele für das Konzept der Ausstellung wichtige Entscheidungen herausentwickelten.

In ihrer Kombination mit der konkreten Architektur stehen die Objekte gemeinsam für eine an den Ort gebundene Installation. Die einzelnen Fragmente dieser gesamten Installation sind jedoch auch als autonome Arbeiten zu verstehen. In ihrem Zusammenspiel versuchen sie das Gefüge der Ausstellungsräume zu unterlaufen. Ein besonderer Fokus in der künstlerischen Auseinandersetzung lag auf der Frage nach den vermeintlichen Hierarchien der Haupthalle und dem Nebenraum, deren Verhältnis sich ja schon in den Begriffen auszudrücken scheint.

Diese Vernetzung durch alle Raster der Institution zeichnet das Werk von Anita Leisz aus und macht die Faszination aus, sich in ihm zu bewegen. Gleichzeitig stehen ihre meist fragil wirkenden, aufwändig produzierten Objekte für eine produktive Offenheit zwischen Malerei und Skulptur, um diese richtiggehend in eines fallen zu lassen, was ihr Werk zusätzlich interessant macht und die Bedingungen von Kunst in Produktion und räumliche Erfahrung hinterfragt und anschaulich macht.

Das Ausstellungsprojekt wird im Nachklang des Würdigungspreises des Landes Steiermark für bildende Kunst, den die Künstlerin 2020 zugesprochen bekam, ausgerichtet. Für die Ausstellung wird Anita Leisz eine Neuproduktion realisieren.

Kuratiert von Sandro Droschl 

Künstler_innen

Teilnehmende Künstler_innen

Anita Leisz

*1973 Leoben, lebt in Wien

studierte an der Akademie der bildenden Künste, Wien. Einzelausstellungen fanden unter anderen im Belvedere 21, Wien; der Galerie Meyer Kainer, Wien; Kunstverein Ludwigsburg; im Salzburger Kunstverein; sowie in der Secession, Wien statt. Ihre Werke wurden unter anderem gezeigt im mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien; Kunsthaus Bregenz; Haus der Kunst München; Kunstverein Nürnberg sowie im Kunstverein Hamburg. 2019 wurde ihr der Kapsch Contemporary Art Prize verliehen. Die Künstlerin wird von der Galerie Meyer Kainer, Wien; Norma Mangione, Turin; und Lars Friedrich, Berlin vertreten.

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